Der INSM-Bildungsmonitor 2022

Sachsen-Anhalt Platz 15

  • Gesamtranking (Bestand)

    Sachsen-Anhalt rutscht auf Platz 15 – auch bei Digitalisierung 15.

    Berlin – Sachsen-Anhalt verschlechtert sich im INSM-Bildungsmonitor 2022 um einen Rang und rutscht auf den 15. Platz. Auch im neuen Handlungsfeld Digitalisierung wird Sachsen-Anhalt Vorletzter. Besonders problematisch ist das Handlungsfeld Inputeffizienz, insbesondere die Verfügbarkeit von Lehrkräften. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2022

    Sachsen-Anhalt weist Stärken in den Handlungsfeldern Schulqualität und Förderinfrastruktur auf:

    • Die Schülerinnen und Schüler erreichen im Durchschnitt hohe Kompetenzen in Mathematik und in Naturwissenschaften.
    • Viele Kinder nutzen Ganztagsangebote in Kita und Grundschule.

    Verbesserungspotenzial besteht vor allem bei der Inputeffizienz, der Digitalisierung, bei Hochschule/MINT, der Forschungsorientierung, der Integration und den Betreuungsbedingungen:

    • Der Anteil älterer Lehrkräfte ist sehr hoch, die Altersstruktur sehr unausgeglichen.
    • Nur wenige Schulen sind mit schnellem WLAN ausgestattet.
    • Der MINT-Anteil an den Hochschulabsolventen ist relativ niedrig.
    • Die eingeworbenen Drittmittel je Professor sind niedrig.
    • Der Anteil der Schulabsolventen ohne Abschluss ist unter Ausländern sehr hoch.
    • In Kita und Grundschule kommen rechnerisch viele Kinder auf eine Betreuungsperson/Lehrkraft.

    Bundesweite Herausforderungen für die Bildungspolitik

    Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel führen bereits heute zu Fachkräfteengpässen in vielen Bereichen und dürften diese in den kommenden Jahren verschärfen. Besondere Bedarfe bestehen an digitalen Kompetenzen sowie an Menschen mit Ausbildung oder Studium in Informatik. Das aktuelle Fachkräfteangebot reicht nicht aus, die Bedarfe zu decken. Und der langfristige Ausblick ist düster: Aktuelle Ergebnisse zu ersten Vergleichstests nach den coronabedingten Schulschließungen zeigen, dass bundesweit die Kompetenzen von Grundschülerinnen und Grundschülern im Jahr 2021 im Vergleich zu 2016 in Mathematik und Lesen deutlich gesunken sind und die sozialen Ungleichheiten deutlich zugenommen haben. Auch für die kommenden Ergebnisse der Sekundarschüler sind Kompetenzeinbußen zu erwarten. Die individuelle Förderung der jungen Menschen wird erschwert: eigene Berechnungen zur Lehrkräfteverfügbarkeit ergeben zunehmende bundesweite Engpässe an Lehrkräften in den kommenden Jahren.

    Handlungsempfehlungen

    Auf Basis von Vergleichsarbeiten sollten bundesweit gezielte Förderprogramme in Mathematik und Lesen umgesetzt werden. Dazu ist eine hochwertige Förderinfrastruktur an Schulen zur nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen weiter aufzubauen (Ganztagsschulen, multiprofessionelle Teams). Die Digitalisierung sollte weiter vorangebracht werden, sowohl in der Ausstattung der Schulen als Lernort selbst als auch durch eine Ausweitung des Schulfachs Informatik.

    Stärken:

    Schulqualität (BM 2022: 4. Platz): Im Jahr 2018 erreichten die Neuntklässler in Sachsen-Anhalt in Mathematik und Naturwissenschaften sowie im Lesen Platz 4 bei der Schulqualität.

    Förderinfrastruktur (BM 2022: 6. Platz): Sachsen-Anhalt setzt stark auf Ganztag. Im Jahr 2021 wurden 81 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen in Sachsen-Anhalt ganztägig betreut (Bundesdurchschnitt: 47 Prozent). Dies ist der drittbeste Wert aller Bundesländer. Sachsen-Anhalt wies auch mit 63,2 Prozent eine hohe Ganztagsquote (offen oder gebunden) in den Grundschulen (Bundesdurchschnitt: 46,3 Prozent) auf. Unterdurchschnittlich fiel mit 29,4 Prozent jedoch der Anteil der Schüler an Ganztagsschulen im Sekundarbereich I aus (Bundesdurchschnitt: 47,4 Prozent).

    Potenziale:

    Inputeffizienz (BM 2022: 16. Platz): Im Handlungsfeld Inputeffizienz wird das negative Ergebnis in Sachsen-Anhalt vor allem von der unausgewogenen Altersstruktur der Lehrer insbesondere an allgemeinbildenden Schulen getragen. Sachsen-Anhalt bildet hier das Schlusslicht aller Bundesländer. Auch bei den beruflichen Schulen ist die Altersstruktur der Lehrer relativ unausgewogen. Auch bei den Hochschulen besteht Verbesserungspotenzial. So war der Anteil des wissenschaftlichen Personals am Gesamtpersonal der Hochschulen geringer als im Bundesdurchschnitt (Sachsen-Anhalt: 44,8 Prozent; Bundesdurchschnitt: 54,7 Prozent).

    Digitalisierung (BM 2022: 15 Platz): Verbesserungspotenzial gibt es in Sachsen-Anhalt vor allem bei der Ausstattung der Schulen mit schnellem WLAN. Sachsen-Anhalt belegt bei diesem Indikator den letzten Platz aller Bundesländer. In der Folge werden auch weniger häufig täglich digitale Medien im Schulunterricht eingesetzt als in vielen anderen Bundesländern. Unterdurchschnittlich fällt auch die Ausbildungsleistung im IT-Bereich aus. Die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge im IT-Bereich pro 100.000 Erwerbstätige ist mit 21,9 deutlich geringer als im bundesdeutschen Durchschnitt (43,6). Die Anzahl der IT-Hochschulabsolventen pro 100.000 Erwerbstätige beträgt 39,9 und fällt damit ebenfalls unterdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 69,5).

    Hochschule und MINT (BM 2022: 14. Platz): Die Relation der Absolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums an allen Absolventen lag im Jahr 2020 in Sachsen-Anhalt mit 13,5 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 17,9 Prozent. Beim Anteil der Absolventen in Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik wurde mit 8,4 Prozent ebenfalls ein unterdurchschnittlicher Wert erreicht (Bundesdurchschnitt: 14,2 Prozent). Mit 4,5 Prozent war die Relation der Absolventen in den Ingenieurwissenschaften zu den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren ebenso unterdurchschnittlich (Bundesdurchschnitt: 5,4 Prozent).

    Forschungsorientierung (BM 2022: 14. Platz): Die Zahl der Habilitationen je 100 Professoren beträgt in Sachsen-Anhalt 2 und im bundesdeutschen Durchschnitt 3,2. Die Promotionsquote fiel dagegen wiederum leicht überdurchschnittlich aus. Schlechter als im Durchschnitt fielen jedoch wiederum mit 130.300 Euro die eingeworbenen Drittmittel je Professor aus (Bundesdurchschnitt: 161.800 Euro).

    Integration (BM 2022: 14. Platz): Im Jahr 2020 erreichten in Sachsen-Anhalt 24,7 Prozent der ausländischen Schulabsolventen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 14,6 Prozent). Vergleichsweise schlechte Ergebnisse zeigen sich auch beim Abitur: Im Jahr 2020 erlangten mit 2,7 Prozent unterdurchschnittlich viele Jugendliche mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit an beruflichen Schulen die Studienberechtigung (Bundesdurchschnitt: 7,3 Prozent). An allgemeinbildenden Schulen war die Studienberechtigenquote unter Ausländern mit 4,2 Prozent sogar die schlechteste aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 10,5 Prozent).

    Betreuungsbedingungen (BM 2022: 14. Platz): Die Schüler-Lehrer-Relation fiel in den Kindertagesstätten, an den Grundschulen und an den Ganztags-Berufsschulen schlechter aus als im bundesdeutschen Durchschnitt. Beispiel Kita: In den Kindertageseinrichtungen kamen im Jahr 2021 rechnerisch auf eine Erzieherin 8,1 Kinder (Bundesdurchschnitt: 5,6). Auch bei den erteilten Unterrichtsstunden pro Klasse gibt es Verbesserungsbedarf.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Sachsen-Anhalt. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Sachsen-Anhalt im Bildungsmonitor 2011 der INSM
    Download Factsheet

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