Der INSM-Bildungsmonitor 2022

Bremen Platz 16

  • Hochschule/MINT (Bestand)

    Bremen insgesamt Schlusslicht – Bei Digitalisierung 1. Platz

    Berlin – Bremen rangiert im INSM-Bildungsmonitor 2022 auf dem letzten Platz der 16 Bundesländer, schafft es aber im neuen Handlungsfeld Digitalisierung auf Platz 1. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2022

    Bremen weist Platz 1 in den Handlungsfeldern Hochschule/MINT, Inputeffizienz und Digitalisierung auf:

    • Bremen ist eine Akademikerschmiede und bildet gemessen an der akademischen Wohnbevölkerung die meisten Akademiker aus.
    • Der Anteil der wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig ausscheidenden Lehrkräfte ist der niedrigste in Deutschland.
    • Gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen insgesamt bildet Bremen am stärksten Informatiker in der beruflichen Bildung und an Hochschulen aus.

    Verbesserungspotenzial besteht in Bremen bei der Bildungsarmut und der Schulqualität sowie in den Bereichen Integration und Förderinfrastruktur:

    • Der höchste Anteil der Schülerinnen und Schüler erreicht nicht die Mindeststandards.
    • Die Schülerinnen und Schüler erreichen in den Kompetenztests schlechte Ergebnisse.
    • Fast ein Viertel der ausländischen Schülerinnen und Schüler absolviert die Schule ohne Abschluss.
    • Vergleichsweise wenige Kinder und Jugendliche besuchen eine Ganztagseinrichtung in Kindergarten, Grundschule und Sekundarstufe 1.

    Bundesweite Herausforderungen für die Bildungspolitik

    Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel führen bereits heute zu Fachkräfteengpässen in vielen Bereichen und dürften diese in den kommenden Jahren verschärfen. Besondere Bedarfe bestehen an digitalen Kompetenzen sowie an Menschen mit Ausbildung oder Studium in Informatik. Das aktuelle Fachkräfteangebot reicht nicht aus, die Bedarfe zu decken. Und der langfristige Ausblick ist düster: Aktuelle Ergebnisse zu ersten Vergleichstests nach den coronabedingten Schulschließungen zeigen, dass bundesweit die Kompetenzen von Grundschülerinnen und Grundschülern im Jahr 2021 im Vergleich zu 2016 in Mathematik und Lesen deutlich gesunken sind und die sozialen Ungleichheiten deutlich zugenommen haben. Auch für die kommenden Ergebnisse der Sekundarschüler sind Kompetenzeinbußen zu erwarten. Die individuelle Förderung der jungen Menschen wird erschwert: eigene Berechnungen zur Lehrkräfteverfügbarkeit ergeben zunehmende bundesweite Engpässe an Lehrkräften in den kommenden Jahren.

    Handlungsempfehlungen

    Auf Basis von Vergleichsarbeiten sollten bundesweit gezielte Förderprogramme in Mathematik und Lesen umgesetzt werden. Dazu ist eine hochwertige Förderinfrastruktur an Schulen zur nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen weiter aufzubauen (Ganztagsschulen, multiprofessionelle Teams). Die Digitalisierung sollte weiter vorangebracht werden, sowohl in der Ausstattung der Schulen als Lernort selbst als auch durch eine Ausweitung des Schulfachs Informatik.

    Stärken:

    Hochschule und MINT (BM 2022: 1. Platz): Bremen ist für Studienanfänger aus anderen Bundesländern sehr attraktiv. In Relation zur Zahl der Bremer Schulabsolventen, die ein Studium in einem anderen Bundesland aufnehmen, zieht Bremen die zweitmeisten Studienanfänger aus anderen Bundesländern an. Im Jahr 2020 lebten 100.000 Akademiker im erwerbsfähigen Alter in Bremen. An den Bremer Hochschulen erreichten im selben Jahr gut 6.000 Studenten einen Hochschulabschluss – das ergibt eine Ersatzrate von 6 Prozent, Bestwert in Deutschland (Bundesdurchschnitt 4,3 Prozent). Den Spitzenwert aller Bundesländer erzielte Bremen auch beim Anteil der MINT-Wissenschaftler am wissenschaftlichen Personal (Bremen: 43,5 Prozent; Bundesdurchschnitt: 34 Prozent). Gemessen am FuE-Personal im Bundesland bildete Bremen im Jahr 2020 ebenfalls überdurchschnittlich viele MINT-Akademiker aus (Bremen: 15,9 Prozent; Bundesdurchschnitt: 12,7 Prozent).

    Inputeffizienz (BM 2022: 1. Platz): In Bremen verließen anteilig am wenigsten Lehrkräfte von allen Bundesländern die Schulen vorzeitig wegen Dienstunfähigkeit. Die Relation der Sachausgaben zu den Personalausgaben an den allgemeinbildenden Schulen lag im Jahr 2020 in Bremen bei 21 Prozent (Bundesdurchschnitt 16,4 Prozent). Deutlich überdurchschnittlich schnitt Bremen auch beim Anteil des wissenschaftlichen Personals am Gesamtpersonal ab (Bremen: 68,4 Prozent; Bundesdurchschnitt: 54,7 Prozent). Bremen erreichte hier den zweitbesten Wert aller Bundesländer. Sehr weit vorne rangiert Bremen auch beim Deckungsbeitrag der Drittmittel für die Hochschulausgaben. Bremen erzielte hier einen Wert von 27,4 Prozent, während er im Bundesdurchschnitt nur bei 21,1 Prozent lag.

    Digitalisierung (BM 2022: 1. Platz): In Bremen wird schon gegenwärtig relativ häufig täglich mit digitalen Medien im Schulunterricht gearbeitet. Relativ gut schneidet Bremen auch bei der Verfügbarkeit von schnellem WLAN an den Schulen ab. Bei der Ausbildungsleistung im IT-Bereich erreicht Bremen die besten Werte aller Bundesländer. Die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge im IT-Bereich pro 100.000 Erwerbstätige fiel im Jahr 2021 mit 88,5 höher als im bundesdeutschen Durchschnitt (43,6). Gleiches galt auch für die Anzahl der IT-Hochschulabsolventen pro 100.000 Erwerbstätige (Bremen: 127; Bundesdurchschnitt: 69,5).

    Potenziale:

    Bildungsarmut (BM 2022: 16. Platz): Die Schulabbrecherquote fiel in Bremen mit 8,3 Prozent im Jahr 2020 höher aus als im bundesweiten Durchschnitt (5,8 Prozent). Bereits bei den Überprüfungen der Bildungsstandards für Neuntklässler im Jahr 2018 wies Bremen in Mathematik die höchste Risikogruppe auf. In den Naturwissenschaften entfiel die zweithöchste Risikogruppe auf Bremen.

    Schulqualität (BM 2022: 16. Platz): Bei den vergangenen IQB-Vergleichstests der Neuntklässler im Jahr 2018 war Bremen sowohl in Mathematik als auch in den Naturwissenschaften das Schlusslicht der Bundesländer.

    Integration (BM 2022: 16. Platz): Im Jahr 2020 erreichten in Bremen 23,6 Prozent der ausländischen Schulabsolventen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 14,6 Prozent). Mit 4,7 Prozent erlangten unterdurchschnittlich viele Jugendliche mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit an beruflichen Schulen die Studienberechtigung (Bundesdurchschnitt: 7,3 Prozent), an allgemeinbildenden Schulen fiel mit 9,6 Prozent die Studienberechtigtenquote unter Ausländern ebenfalls unterdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 10,5 Prozent). Schließlich zeigen verschiedene Kompetenzerhebungen des IQB, dass der Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft und Bildungserfolg sehr eng ist.

    Förderinfrastruktur (BM 2022: 15. Platz): Der Anteil der ganztags betreuten Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren lag in Bremen im Jahr 2020 bei 42,2 Prozent, während im Bundesdurchschnitt schon 47 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe ganztags betreut wurden. Darüber hinaus wies Bremen im Jahr 2020 mit 46,1 Prozent eine leicht unterdurchschnittliche Quote von Ganztagsschülern im Grundschulbereich auf (Bundesdurchschnitt: 46,3 Prozent). Auch der Anteil der Schüler an Ganztagschulen im Sekundarbereich I fiel mit 33,3 Prozent unterdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 47,4 Prozent).

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Bremen. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Bremen im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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