Der INSM-Bildungsmonitor 2022

Brandenburg Platz 13

  • Gesamtranking (Bestand)

    Brandenburg verbessert sich auf Gesamtplatz 13 – Schlusslicht im neuen Handlungsfeld Digitalisierung

    Berlin – Brandenburg hat sich im INSM-Bildungsmonitor 2022 auf den mit NRW geteilten 13. Platz verbessert. Im neuen Handlungsfeld Digitalisierung belegt Brandenburg den letzten Platz. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2022

    Brandenburg hat Stärken in den Handlungsfeldern Integration, Internationalisierung und Bildungsarmut:

    • Nur wenige ausländische Schulabsolventen erreichen keinen Schulabschluss.
    • Fast alle Berufsschüler werden in Fremdsprachen unterrichtet.
    • Vergleichsweise viele Schüler erreichen in Kompetenztests die Mindeststandards.

    Deutliches Verbesserungspotenzial besteht in Brandenburg vor allem bei der Digitalisierung, dem Bereich Hochschule/MINT und der Forschungsorientierung:

    • Wenige junge Menschen werden in Informatik an Berufsschulen oder an Hochschulen ausgebildet.
    • Gemessen an der Anzahl der in Brandenburg lebenden Akademiker ist die Anzahl der Hochschulabsolventen die niedrigste der Bundesländer.
    • Die Forschungsausgaben je Forscher sind die niedrigsten der Bundesländer. Gemessen an der Wirtschaftskraft gibt es wenige Forscher an Hochschulen.

    Bundesweite Herausforderungen für die Bildungspolitik

    Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel führen bereits heute zu Fachkräfteengpässen in vielen Bereichen und dürften diese in den kommenden Jahren verschärfen. Besondere Bedarfe bestehen an digitalen Kompetenzen sowie an Menschen mit Ausbildung oder Studium in Informatik. Das aktuelle Fachkräfteangebot reicht nicht aus, die Bedarfe zu decken. Und der langfristige Ausblick ist düster: Aktuelle Ergebnisse zu ersten Vergleichstests nach den coronabedingten Schulschließungen zeigen, dass bundesweit die Kompetenzen von Grundschülerinnen und Grundschülern im Jahr 2021 im Vergleich zu 2016 in Mathematik und Lesen deutlich gesunken sind und die sozialen Ungleichheiten deutlich zugenommen haben. Auch für die kommenden Ergebnisse der Sekundarschüler sind Kompetenzeinbußen zu erwarten. Die individuelle Förderung der jungen Menschen wird erschwert: eigene Berechnungen zur Lehrkräfteverfügbarkeit ergeben zunehmende bundesweite Engpässe an Lehrkräften in den kommenden Jahren.

    Handlungsempfehlungen

    Auf Basis von Vergleichsarbeiten sollten bundesweit gezielte Förderprogramme in Mathematik und Lesen umgesetzt werden. Dazu ist eine hochwertige Förderinfrastruktur an Schulen zur nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen weiter aufzubauen (Ganztagsschulen, multiprofessionelle Teams). Die Digitalisierung sollte weiter vorangebracht werden, sowohl in der Ausstattung der Schulen als Lernort selbst als auch durch eine Ausweitung des Schulfachs Informatik.

    Stärken:

    Integration (BM 2022: 1. Platz): Die Schulabbrecherquote unter den ausländischen Jugendlichen betrug im Jahr 2020 nur 4,8 Prozent. Diese war damit die beste in Deutschland und lag deutlich unterhalb des bundesdeutschen Durchschnitts von 14,6 Prozent. Auch bei der Studienberechtigtenquote von ausländischen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen schnitt Brandenburg mit 10,8 Prozent besser ab als der Durchschnitt der Bundesländer. Bereits bei den Tests zu den Bildungsstandards des IQB aus dem Jahr 2018 fiel in Brandenburg verglichen mit den anderen Bundesländern der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg relativ gering aus.

    Internationalisierung (BM 2022: 3. Platz): Fast alle Berufsschüler in Brandenburg (96,8 Prozent) wurden im Jahr 2020 in Fremdsprachen unterrichtet. Damit erreicht Brandenburg den zweitbesten Wert aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 34,8 Prozent). Bei den Grundschulen wies Brandenburg mit 49,9 Prozent einen unterdurchschnittlichen Anteil an Schülern mit Fremdsprachenunterricht auf (Bundesdurchschnitt: 60,9 Prozent). International sind auch die Hochschulen: Der Anteil der Bildungsausländer an allen Studierenden fiel im Jahr 2020 mit 15 Prozent relativ hoch aus (Bundesdurchschnitt: 11,4 Prozent).

    Bildungsarmut (BM 2022: 4. Platz): Überdurchschnittlich schneidet Brandenburg bei der Vermeidung von Bildungsarmut ab. Im Jahr 2020 fiel der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss mit 5,5 Prozent geringer aus als im Bundesdurchschnitt (5,8 Prozent). Bereits in den Kompetenzerhebungen aus dem Jahr 2018 zählten in Brandenburg weniger Neuntklässler als im Durchschnitt der anderen Bundesländer in den Naturwissenschaften und in Mathematik zur Risikogruppe.

    Potenziale:

    Digitalisierung (BM 2022: 16. Platz): Verbesserungsbedarf gibt es in Brandenburg vor allem bei der Ausbildungsleistung im Bereich Digitalisierung. Die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge im IT-Bereich pro 100.000 Erwerbstätige fiel im Jahr 2021 mit 12,8 deutlich niedriger aus als im bundesdeutschen Durchschnitt (43,6). Gleiches galt auch für die Anzahl der IT-Hochschulabsolventen pro 100.000 Erwerbstätige (Brandenburg: 34,5; Bundesdurchschnitt: 69,5). Brandenburg nimmt hier jeweils den letzten Platz aller Bundesländer ein. Verbesserungswürdig ist in Brandenburg auch die Verfügbarkeit von schnellem WLAN in den Schulen sowie die Häufigkeit, mit der digitale Medien im Schulunterricht eingesetzt werden. Bei beiden Indikatoren belegt Brandenburg den vorletzten Platz. Auch die Forschungsleistung im Bereich Digitalisierung fällt in Brandenburg unterdurchschnittlich aus.

    Hochschule und MINT (BM 2022: 16. Platz): Im Jahr 2020 lebten rund 272.000 Akademiker im erwerbsfähigen Alter in Brandenburg. An den Hochschulen erreichten im selben Jahr gut 7.600 Studenten einen Hochschulabschluss – eine Ersatzquote von 2,8 Prozent. Brandenburg erreicht hiermit den schlechtesten Wert aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 4,3 Prozent). Weiterhin schneidet Brandenburg beim Anteil der Absolventen in Ingenieurwissenschaften an allen Hochschulabsolventen sowie beim Anteil der Absolventen in Mathematik und Naturwissenschaften unterdurchschnittlich ab. Die Position Brandenburgs in diesem Handlungsfeld ist vor dem Hintergrund der guten Bewertung Berlins einzuordnen.

    Forschungsorientierung (BM 2022: 15. Platz): Mit 110.300 Euro fallen die Forschungsausgaben pro Forscher im Jahr 2019 niedriger aus als im Bundesdurchschnitt (130.100 Euro). Brandenburg nimmt hier den letzten Platz aller Bundesländer ein. Ebenfalls niedriger als der Durchschnitt war im Jahr 2019 die Anzahl der Forscher an Hochschulen in Relation zum BIP in Mrd. Euro (Brandenburg: 34,7; Bundesdurchschnitt: 42,4). Die eingeworbenen Drittmittel je Professor lagen in Brandenburg mit 156.900 Euro ebenfalls unter dem bundesdeutschen Durchschnitt (161.800 Euro). Der Nachholbedarf Brandenburgs zeigt sich auch bei der Habilitations- und Promotionsquote. Brandenburg weist bei der Habilitationsquote den vorletzten Platz aller Bundesländer ein. Bei der Promotionsquote schneidet Brandenburg ebenfalls unterdurchschnittlich ab. 4,8 Prozent aller Abschlüsse an Hochschulen waren im Jahr 2020 Promotionen (Bundesdurchschnitt: 5,5 Prozent).

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Brandenburg. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Brandenburg im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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