Der INSM-Bildungsmonitor 2022

Berlin Platz 11

  • Gesamtranking (Bestand)

    Berlin verbessert sich auf 11. Gesamtplatz - Sechster bei Digitalisierung

    Berlin – Berlin verbessert sich im INSM-Bildungsmonitor 2022 auf den 11. Platz der Bundesländer und erreicht einen guten 6. Platz im neuen Handlungsfeld Digitalisierung. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2022

    Berlin weist in den Handlungsfeldern Betreuungsbedingungen, Förderinfrastruktur, Forschungsorientierung, Internationalisierung und Digitalisierung Stärken auf:

    • Die Betreuungsrelationen (Kinder/Jugendliche je Lehrkraft) sind gut.
    • Ein hoher Anteil der Kinder besucht Ganztagsangebote in Kitas und Schulen.
    • Gemessen an der Wirtschaftskraft sind viele Forscher in Berlin tätig. Es werden viele Drittmittel je Professor eingeworben.
    • In Berlin gibt es den höchsten Anteil an Bildungsausländern unter den Studierenden. Viele Jugendliche lernen in der Berufsausbildung Fremdsprachen.
    • Die Verfügbarkeit von schnellem WLAN an Schulen ist vergleichsweise gut.

    Verbesserungspotenzial besteht in den Handlungsfeldern Berufliche Bildung, Bildungsarmut und Schulqualität:

    • Der Anteil unversorgter Jugendlicher ist trotz jüngster Fortschritte hoch.
    • Die Schulabbrecherquote ist relativ hoch. Viele Jugendliche erreichen nicht die Mindeststandards an Kompetenzen.
    • Die durchschnittlichen Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften sind niedriger als in vielen anderen Bundesländern.

    Bundesweite Herausforderungen für die Bildungspolitik

    Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel führen bereits heute zu Fachkräfteengpässen in vielen Bereichen und dürften diese in den kommenden Jahren verschärfen. Besondere Bedarfe bestehen an digitalen Kompetenzen sowie an Menschen mit Ausbildung oder Studium in Informatik. Das aktuelle Fachkräfteangebot reicht nicht aus, die Bedarfe zu decken. Und der langfristige Ausblick ist düster: Aktuelle Ergebnisse zu ersten Vergleichstests nach den coronabedingten Schulschließungen zeigen, dass bundesweit die Kompetenzen von Grundschülerinnen und Grundschülern im Jahr 2021 im Vergleich zu 2016 in Mathematik und Lesen deutlich gesunken sind und die sozialen Ungleichheiten deutlich zugenommen haben. Auch für die kommenden Ergebnisse der Sekundarschüler sind Kompetenzeinbußen zu erwarten. Die individuelle Förderung der jungen Menschen wird erschwert: eigene Berechnungen zur Lehrkräfteverfügbarkeit ergeben zunehmende bundesweite Engpässe an Lehrkräften in den kommenden Jahren.

    Handlungsempfehlungen

    Auf Basis von Vergleichsarbeiten sollten bundesweit gezielte Förderprogramme in Mathematik und Lesen umgesetzt werden. Dazu ist eine hochwertige Förderinfrastruktur an Schulen zur nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen weiter aufzubauen (Ganztagsschulen, multiprofessionelle Teams). Die Digitalisierung sollte weiter vorangebracht werden, sowohl in der Ausstattung der Schulen als Lernort selbst als auch durch eine Ausweitung des Schulfachs Informatik.

    Stärken:

    Betreuungsbedingungen (BM 2022: 1. Platz): Im Jahr 2020 kamen in Berlin rechnerisch 13,7 Schüler der Sekundarstufe I (Gymnasium) auf eine Lehrkraft (Bundesdurchschnitt: 15). Dies ist der beste Wert aller Bundesländer. An den Hochschulen ist die Betreuungsrelation in Berlin ebenfalls relativ gut (Berlin: 15,6; Bundesdurchschnitt: 18). Auch in den Kindertageseinrichtungen waren die Betreuungsrelationen mit 5 Kindern je Betreuenden besser als im Durchschnitt (5,6). Berlin erreicht im Jahr 2020 bei den Unterrichtsstunden in der Grundschule und in der Sekundarstufe I der Gymnasien den besten Wert aller Bundesländer.

    Förderinfrastruktur (BM 2022: 4. Platz): Berlin setzt stark auf Ganztag. 82,7 Prozent der Berliner Grundschüler lernten im Jahr 2020 an einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 46,3 Prozent) – vierthöchster Wert aller Bundesländer. Auch gibt es mit 65,7 Prozent mehr Ganztagsschüler im Sekundarbereich I als im bundesdeutschen Durchschnitt (47,4 Prozent). Auch im frühkindlichen Bereich standen sehr viele Ganztagsangebote zur Verfügung. So besuchten 58,5 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder im Jahr 2021 ganztags einen Kindergarten (Bundesdurchschnitt: 47 Prozent).

    Forschungsorientierung (BM 2022: 5. Platz): Neben der Ausbildungsleistung sind die Professoren bei der Einwerbung von Drittmitteln erfolgreich. Die eingeworbenen Drittmittel je Professor betrugen im Jahr 2019 in Berlin 166.500 Euro und lagen über dem Bundesdurchschnitt von 161.800 Euro. Die Forschungsorientierung Berlins wird besonders deutlich an der Anzahl der Forscher an Hochschulen bezogen auf das BIP. Hier belegt Berlin den zweiten Platz aller Bundesländer mit 52,5 Forschern an Hochschulen je eine Milliarde BIP des Landes (Bundesdurchschnitt: 42,4).

    Internationalisierung (BM 2022: 5. Platz): Die Berliner Hochschulen sind internationale Leuchttürme. 19,1 Prozent aller Studierenden in Berlin sind Bildungsausländer (Bundesdurchschnitt: 11,4 Prozent) – Spitzenwert der Bundesländer. Weiterhin fiel der Anteil der Berufsschüler in Berlin, die im Jahr 2020 in Fremdsprachen unterrichtet wurden, mit 50,1 Prozent deutlich höher aus als der Durchschnitt über alle Bundesländer (34,8 Prozent).

    Digitalisierung (BM 2022: 6. Platz): Verglichen mit anderen Bundesländern ist die Ausstattung mit schnellem WLAN an den Schulen in Berlin schon relativ gut. Es wird jedoch noch relativ selten täglich mit digitalen Medien im Schulunterricht gearbeitet. Besser schneidet Berlin wiederum bei der Forschungsleistung im digitalen Bereich ab. Mit 13,7 Digitalisierungspatenten im Jahr 2018 pro 100.000 Beschäftigten erreichte Berlin den sechstbesten Wert aller Bundesländer. Auch die Ausbildungsleistung im IT-Hochschulbereich fällt in Berlin überdurchschnittlich aus. Die Anzahl der IT-Hochschulabsolventen pro 100.000 Erwerbstätige ist mit 86,7 höher als im bundesdeutschen Durchschnitt (69,5).

    Potenziale:

    Berufliche Bildung (BM 2022: 16. Platz): Gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter wurden im Jahr 2021 mit 51,1 Prozent relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten (Bundesdurchschnitt: 67,4 Prozent). Den letzten Platz nimmt Berlin auch bei der Quote der unversorgten Bewerber ein. Mit 14,2 Prozent fiel dieser Wert im Jahr 2021 höher aus als im Bundesdurchschnitt (8,5 Prozent), hat sich aber in den letzten 3 Jahren verbessert (2018: 14,9 Prozent). Gründe für die weniger ausgebaute Berufsausbildung liegen an der stärker tertiär ausgeprägten Wirtschaftsstruktur und Bildungsarmut unter Schulabsolventen.

    Bildungsarmut (BM 2022: 15. Platz): In Berlin erreichte bei den Schülervergleichsarbeiten des IQB ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards. Außerdem betrug im Jahr 2020 die Schulabbrecherquote 6,6 Prozent und lag damit über dem Bundesdurchschnitt von 5,8 Prozent. Beim Anteil der erfolgreichen Abgänger aus dem Berufsvorbereitungsjahr schnitt Berlin jedoch leicht überdurchschnittlich ab.

    Schulqualität (BM 2022: 15. Platz): Bei den letzten IQB-Schulleistungstests für die Neuntklässler in Mathematik und Naturwissenschaften aus dem Jahr 2018 belegte Berlin einen der letzten Plätze.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Berlin. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Berlin im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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