Der INSM-Bildungsmonitor 2021

Thüringen Platz 4

  • Gesamtranking (Bestand)

    Thüringen rutscht auf Platz 4 - Nachholbedarf bei Digitalisierung

    Berlin – Thüringen erreicht im INSM-Bildungsmonitor 2021 trotz leichter Verbesserungen zum Vorjahr nur Platz 4. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 93 Indikatoren in 12 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2021

    Stärken weist Thüringen in den Handlungsfeldern Betreuungsbedingungen, Förderinfrastruktur, Bildungsarmut, Berufliche Bildung, Ausgabenpriorisierung und Hochschule/MINT auf:

    • Rechnerisch kommen auf eine Lehrkraft an Berufsschulen die wenigsten Schüler.
    • In Kitas und Grundschulen nehmen viele Kinder Ganztagsangebote wahr.
    • Die Risikogruppe ist bei Neuntklässlern in Mathematik und Naturwissenschaften vergleichsweise gering.
    • Nur wenige Jugendliche verbleiben ohne Ausbildungsstellenangebot.
    • Die Bildungsausgaben je Schüler sind an den Berufsschulen vergleichsweise hoch.
    • Gemessen an der Anzahl der Beschäftigten Ingenieure werden viele Ingenieure ausgebildet.

    Deutliches Verbesserungspotenzial besteht in Thüringen vor allem in den Handlungsfeldern Inputeffizienz und Integration:

    • Die Altersstruktur der Lehrkräfte in Thüringen ist sehr unausgewogen.
    • Die Schulabbrecherquote unter Ausländern ist die höchste in Deutschland.

    Neben den 12 Handlungsfeldern bewertet der Bildungsmonitor qualitativ auf Basis von Indikatoren die Digitalisierung. Thüringen weist Schwächen bei der Digitalisierung auf. Insbesondere bei der Verfügbarkeit von Breitband und dem Zugang zu Weiterbildung an Schulen, der Hochschul- und Berufsausbildung in den IT-Berufen sowie bei der Forschung gemessen an Digitalisierungspatenten besteht Nachholbedarf.

    Ausblick Corona

    Insgesamt gibt es Fortschritte bei der Digitalisierung an Schulen. Durch Corona bleiben aber im Ausblick wie in allen Bundesländern sehr große Herausforderungen im Bildungssystem, die sich in den kommenden Jahren bei der Bewertung der Handlungsfelder negativ auswirken dürften. Aufgrund der Bundesnotbremse waren die Landkreise in Thüringen in hohem Maße von Schulschließungen im Frühjahr 2021 betroffen. Eine Befragung von Lehrkräften zeigt, dass diese bundesweit fast zur Hälfte gravierende Lernrückstände bei über der Hälfte der Schülerinnen und Schüler feststellen. Die Eltern in Thüringen waren einer Befragung zufolge alles in allem in geringerem Maße als der Bundesdurchschnitt mit den Lernangeboten im Schuljahr 2020/2021 zufrieden. Im Ausbildungsjahr 2020/2021 verbesserte sich die Relation zwischen Ausbildungsstellenangebot und -nachfrage.

    Handlungsempfehlungen

    Auf Basis von Vergleichsarbeiten sollten gezielte Förderprogramme zur Schließung der Lernlücken umgesetzt werden. Dazu ist eine hochwertige Förderinfrastruktur an Schulen zur nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen aufzubauen (Ganztagsschulen, multiprofessionelle Teams) und die Digitalisierung der Schulen (u.a. IT-Administratoren) weiter voranzubringen.

    Stärken:

    Betreuungsbedingungen (BM 2021: 2. Platz): Im Sekundarbereich I (ohne Gymnasien) erreichte Thüringen im Jahr 2019 bei der Betreuungsrelation den zweitbesten Wert aller Bundesländer (Thüringen: 11,4 Schüler pro Lehrer; Bundesdurchschnitt: 13,2). Bei der Schüler-Lehrer-Relation in der Sekundarstufe II und an den beruflichen Teilzeit-Schulen erreichte Thüringen sogar jeweils den besten Wert aller Bundesländer (Thüringen: 10,1 bzw. 25,2; Bundesdurchschnitt: 11,5 bzw. 34,1).

    Förderinfrastruktur (BM 2021: 3. Platz): Beim Anteil der ganztags betreuten Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren erreichte Thüringen im Jahr 2020 einen Wert von 92,2 Prozent (Bundesdurchschnitt 47,6 Prozent) - Bestwert aller Bundesländer. Darüber hinaus wies Thüringen im Jahr 2019 mit 89,4 Prozent die zweithöchste Quote von Ganztagsschülern im Grundschulbereich auf (Bundesdurchschnitt: 47,0 Prozent). Bei dem Anteil der Schüler an Ganztagschulen im Sekundarbereich I erzielte Thüringen mit 28,3 Prozent jedoch einen unterdurchschnittlichen Wert (Bundesdurchschnitt: 47,9 Prozent).

    Bildungsarmut (BM 2021: 3. Platz): In verschiedenen Kompetenzerhebungen aus dem Jahr 2018 zählen in Thüringen unterdurchschnittlich viele Neuntklässler in den Naturwissenschaften, in Mathematik und im Lesen zur Risikogruppe. Dagegen war der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss im Jahr 2019 mit 8,9 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt (6,6 Prozent).

    Berufliche Bildung (BM 2021: 3. Platz): Der Übergang von der Schule in den Beruf gelingt in Thüringen nach wie vor gut. Mit 60,6 Prozent lag die Ausbildungsquote im Jahr 2020 allerdings etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 63,1 Prozent. Bei der Quote der unversorgten Bewerber erzielte Thüringen mit 5,4 Prozent jedoch den zweitbesten Wert aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 9,6 Prozent).

    Ausgabenpriorisierung (BM 2021: 3. Platz): Die Relation der Bildungsausgaben pro Teilnehmer zu den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte pro Einwohner fällt bei den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe und den beruflichen Schulen besonders hoch aus. Im Jahr 2019 werden beispielsweise pro Berufsschüler im dualen System 4.500 Euro ausgegeben (Bundesdurchschnitt: 3.500 Euro).

    Hochschule und MINT (BM 2021: 3. Platz): Im Jahr 2019 betrug die Akademikerersatzquote 5,2 Prozent (Bundesdurchschnitt: 4,8 Prozent). Zudem weist Thüringen relativ viele Studienanfänger in dualen Studiengängen auf. Mit 7,1 Prozent fiel die Relation der Absolventen in den Ingenieurwissenschaften zu den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren überdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 6 Prozent). Zudem war der MINT-Anteil am wissenschaftlich-künstlerischen Personal an den Hochschulen der dritthöchste von allen Bundesländern (TH: 35,7 Prozent; Bundesdurchschnitt: 34,3 Prozent).

    Potenziale:

    Inputeffizienz (BM 2021: 15. Platz): Die Altersstruktur der Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen blieb relativ unausgewogen – nur in Sachsen-Anhalt war die Altersverteilung im Jahr 2019 noch ungleichmäßiger als in Thüringen. Auch an den beruflichen Schulen ist die Altersstruktur der Lehrer relativ unausgewogen. Auch hier nimmt Thüringen den vorletzten Platz ein. Dies belastet eine langfristig effiziente Personalpolitik. Auch bei den Investitionen besteht Nachholbedarf. Die Investitionsquote an allgemeinbildenden Schulen ist geringer als im Bundesdurchschnitt.

    Integration (BM 2021: 10. Platz): Im Jahr 2019 erreichten in Thüringen 32,9 Prozent der ausländischen Schulabsolventen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 17,6 Prozent). Dies ist der schlechteste Wert aller Bundesländer. Die Studienberechtigtenquote von ausländischen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen war ebenfalls geringer als im Bundesdurchschnitt. Im Jahr 2019 betrug diese in Thüringen 4,9 Prozent und im Durchschnitt aller Bundesländer 9,2 Prozent. Zur Einordnung der Daten ist zu berücksichtigen, dass ein hoher Anteil der ausländischen Schüler in relativ hohem Alter als Geflüchtete zugewandert ist und nicht von der frühkindlichen Bildung profitieren konnte.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Thüringen. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Thüringen im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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