Der INSM-Bildungsmonitor 2021

Sachsen-Anhalt Platz 14

  • Gesamtranking (Bestand)

    Sachsen-Anhalt nicht mehr Schlusslicht – Platz 14

    Berlin – Sachsen-Anhalt klettert im INSM-Bildungsmonitor 2021 auf den 14. Platz der Bundesländer. Stärken bestehen bei der Schulqualität, große Herausforderungen bei der Altersstruktur und Verfügbarkeit an Lehrkräften. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 93 Indikatoren in 12 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2021

    Sachsen-Anhalt weist Stärken in den Handlungsfeldern Forschungsorientierung, Schulqualität und Förderinfrastruktur auf:

    • Je Forscher an Hochschulen wird viel Geld in Forschung investiert.
    • Die Schüler erreichen hohe Kompetenzen in Mathematik und in Naturwissenschaften.
    • In Kita und Grundschule besuchen viele Kinder Ganztagsangebote.

    Verbesserungspotenzial besteht in Sachsen-Anhalt vor allem bei der Inputeffizienz, den Betreuungsbedingungen, der Ausgabenpriorisierung, der Integration und bei Hochschule/MINT:

    • Die Altersstruktur der Lehrkräfte ist sehr unausgewogen.
    • In Kita und Hochschule ist die Betreuungsrelation ungünstig.
    • Ein hoher Anteil der Ausländer verlässt die Schule ohne Abschluss.
    • Die Ausgaben je Schüler sind vergleichsweise niedrig.
    • Der MINT-Anteil am wissenschaftlichen Personal ist relativ niedrig.

    Neben den 12 Handlungsfeldern bewertet der Bildungsmonitor qualitativ auf Basis von Indikatoren die Digitalisierung. Sachsen-Anhalt weist Nachholbedarf bei der Digitalisierung auf, insbesondere bei der Breitband-Verfügbarkeit an Schulen, der IT-Ausbildung an Berufs- und Hochschulen und der Forschung gemessen an Digitalisierungspatenten.

    Ausblick Corona

    Insgesamt gibt es Fortschritte bei der Digitalisierung an Schulen. Durch Corona bleiben aber im Ausblick wie in allen Bundesländern sehr große Herausforderungen im Bildungssystem, die sich in den kommenden Jahren bei der Bewertung der Handlungsfelder negativ auswirken dürften. Aufgrund der Bundesnotbremse waren die Landkreise in Sachsen-Anhalt in durchschnittlichem Maße von Schulschließungen im Frühjahr 2021 betroffen. Eine Befragung von Lehrkräften zeigt, dass diese bundesweit fast zur Hälfte gravierende Lernrückstände bei über der Hälfte der Schülerinnen und Schüler feststellen. Die Eltern waren einer Befragung zufolge in Sachsen-Anhalt alles in allem in geringerem Maße als der Bundesdurchschnitt mit den Lernangeboten im Schuljahr 2020/2021 zufrieden. Im Ausbildungsjahr 2020/2021 verbesserte sich die Relation zwischen Ausbildungsstellenangebot und -nachfrage. An den Hochschulen ging die Anzahl der Studienanfänger im Studienjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr jedoch stärker als im Bundesdurchschnitt zurück.

    Handlungsempfehlungen

    Auf Basis von Vergleichsarbeiten sollten gezielte Förderprogramme zur Schließung der Lernlücken umgesetzt werden. Dazu ist eine hochwertige Förderinfrastruktur an Schulen zur nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen aufzubauen (Ganztagsschulen, multiprofessionelle Teams) und die Digitalisierung der Schulen weiter voranzubringen.

    Stärken:

    Forschungsorientierung (BM 2021: 3. Platz): Sachsen-Anhalt erreicht bei den F&E-Ausgaben je Forscher an Hochschulen den zweitbesten Wert aller Bundesländer (Sachsen-Anhalt: 139.200 Euro; Bundesdurchschnitt: 125.000 Euro). Auch bei den Forschern an den Hochschulen bezogen auf das BIP schneidet Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich ab.

    Schulqualität (BM 2021: 4. Platz): Aufgrund der guten Ergebnisse bei den letzten IQB-Schulleistungstests aus dem Jahr 2018 in Mathematik und Naturwissenschaften sowie im Lesen für die Neuntklässler erreicht Sachsen-Anhalt hinter Sachsen, Bayern und Thüringen Platz 4 bei der Schulqualität.

    Förderinfrastruktur (BM 2021: 7. Platz): Sachsen-Anhalt weist eine hohe Ganztagsquote in den Grundschulen auf. Im Jahr 2019 besuchten in Sachsen-Anhalt 63,3 Prozent der Grundschüler eine offene oder gebundene Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 47 Prozent). Unterdurchschnittlich fiel mit 30,9 Prozent jedoch der Anteil der Schüler an Ganztagsschulen im Sekundarbereich I aus (Bundesdurchschnitt: 47,9 Prozent). Darüber hinaus wurden im Jahr 2020 insgesamt 82,1 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen in Sachsen-Anhalt ganztägig betreut (Bundesdurchschnitt: 47,6 Prozent). Dies ist der drittbeste Wert aller Bundesländer.

    Potenziale:

    Inputeffizienz (BM 2021: 16. Platz): Im Handlungsfeld Inputeffizienz wird das negative Ergebnis in Sachsen-Anhalt vor allem von der unausgewogensten Altersstruktur der Lehrer insbesondere an allgemeinbildenden Schulen getragen. Auch bei den beruflichen Schulen ist die Altersstruktur der Lehrer unausgewogen. Weiterhin war der Anteil des wissenschaftlichen Personals am Gesamtpersonal der Hochschulen geringer als im Bundesdurchschnitt (Sachsen-Anhalt: 46 Prozent; Bundesdurchschnitt: 55,1 Prozent). Unterdurchschnittlich fielen auch die Investitionsausgaben an den Gesamtausgaben (Investitionsquote) für die Hochschulen und für die allgemeinbildenden Schulen aus. Im Jahr 2019 betrug die Investitionsquote an den Hochschulen 6,9 Prozent (Bundesdurchschnitt: 9,8 Prozent).

    Betreuungsbedingungen (BM 2021: 15. Platz): Die Schüler-Lehrer-Relation fiel an den Kindertagesstätten, an den Grundschulen und an den Ganztags-Berufsschulen schlechter aus als im bundesdeutschen Durchschnitt. In den Kindertageseinrichtungen kamen im Jahr 2020 rechnerisch auf eine Erzieherin 8,1 Kinder (Bundesdurchschnitt: 5,8). Auch bei den erteilten Unterrichtsstunden pro Klasse gibt es in einigen Bereichen Verbesserungsbedarf. An den Grundschulen wurden im Jahr 2019 im bundesweiten Durchschnitt 31,8 Unterrichtsstunden pro Klasse erteilt, Sachsen-Anhalt kam jedoch nur auf einen Wert von 28,4 Stunden.

    Ausgabenpriorisierung (BM 2021: 15. Platz): Sachsen-Anhalt weist Bildung im öffentlichen Ausgabverhalten im Vergleich der Bundesländer die zweitniedrigste Priorität zu. So lagen die Bildungsausgaben je Grundschüler im Jahr 2019 bei 6.200 Euro und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 7.100 Euro. Bei den Gesamtausgaben je Einwohner für alle Ausgabenbereiche liegt Sachsen-Anhalt hingegen über dem Bundesdurchschnitt.

    Integration (BM 2021: 14. Platz): Im Jahr 2019 erlangten mit 1,6 Prozent unterdurchschnittlich viele Jugendliche mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit an beruflichen Schulen die Studienberechtigung (Bundesdurchschnitt: 6,6 Prozent). Die Studienberechtigtenquote von ausländischen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen war sogar die schlechteste aller Bundesländer (Sachsen-Anhalt 4,1 Prozent, Bundesdurchschnitt: 9,2 Prozent). Zudem erreichten 29,4 Prozent der ausländischen Schulabsolventen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 17,6 Prozent). Dies ist der zweitschlechteste Wert aller Bundesländer.

    Hochschule und MINT (BM 2021: 14. Platz): Sachsen-Anhalt nimmt den vorletzten Platz bei der Anzahl der dualen Studienanfängern gemessen an der Gesamtbevölkerung ein. Mit 4,9 Prozent fiel auch der Anteil der Absolventen in den Ingenieurwissenschaften zu den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren wiederum unterdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 6 Prozent). Zudem war der MINT-Anteil am wissenschaftlich-künstlerischen Personal an den Hochschulen mit 29,6 Prozent niedriger als im bundesdeutschen Durchschnitt (34,3 Prozent).

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Sachsen-Anhalt. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Sachsen-Anhalt im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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