Der INSM-Bildungsmonitor 2020

Sachsen-Anhalt Platz 16

  • Gesamtranking (Bestand)

    Sachsen-Anhalt landet auf dem letzten Platz

    Berlin – Sachsen-Anhalt liegt im INSM-Bildungsmonitor 2020 auf dem letzten Platz der Bundesländer und hat sich damit verglichen zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Stärken bestehen aber weiterhin bei der Schulqualität, große Herausforderungen dagegen bei der Altersstruktur und Verfügbarkeit an Lehrkräften. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 93 Indikatoren in 12 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2020

    Sachsen-Anhalt weist Stärken in den Handlungsfeldern Schulqualität und Förderinfrastruktur auf:

    • Die Schüler erreichen hohe Kompetenzen in Mathematik und in Naturwissenschaften.
    • In Kita und Grundschule besuchen viele Kinder Ganztagsangebote.

    Verbesserungspotenzial besteht in Sachsen-Anhalt vor allem bei der Inputeffizienz, der Integration, den Betreuungsbedingungen, der Forschungsorientierung und im Feld Hochschule/MINT:

    • Die Altersstruktur der Lehrkräfte ist sehr unausgewogen.
    • Ein hoher Anteil der Ausländer verlässt die Schule ohne Abschluss.
    • In Kita und Hochschule ist die Betreuungsrelation ungünstig.
    • Die eingeworbenen Drittmittel je Professor sind niedrig; gemessen an der Wirtschaftskraft sind vergleichsweise wenige Forscher im Land tätig.
    • Der MINT-Anteil an den Hochschulabsolventen ist relativ niedrig.

    Handlungsempfehlungen

    Im Zuge der Corona-Krise entstehen bundesweit zusätzliche Herausforderungen, alle Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern und eine Verschärfung ungleicher Bildungschancen zu vermeiden. Positiv: Für das neue Schuljahr 2020/21 bereitet sich Sachsen-Anhalt auf verschiedene Szenarien vor, sowohl auf den Regelbetrieb in Präsenz als auch auf Fernunterricht. Der Digitalisierung an Schulen kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. Sachsen-Anhalt weist allerdings ungünstige Voraussetzungen auf. Die Planungen für den Regelbetrieb werden zusätzlich erschwert, da Engpässe an Lehrkräften bestehen und ein sehr hoher Anteil der Lehrkräfte über 60 Jahre ist. Für den Fernunterricht besteht Ausbaubedarf in ländlichen Regionen beim Zugang zum schnellen Internet.

    Die Ausstattung der Schulen und die Weiterbildung der Lehrkräfte sind für die digitale Weiterentwicklung des Unterrichts sicherzustellen. Schülerinnen und Schüler ohne eigenes Equipment sollten leihweise mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Positiv ist, dass hierfür für ganz Deutschland Mittel durch den Bund in Höhe von 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollten die Schulen als Arbeitgeber auch die Beschäftigten verstärkt mit dienstlichen Geräten ausstatten und Zeiten für zusätzliche Fort- und Weiterbildungsangebote für digitale Lernformate sicherstellen. In den Schulen sollten bundesweit rund 20.000 IT-Kräfte zur Administration eingestellt werden, um hierdurch die Lehrkräfte zu entlasten. Die im Konjunkturpaket durch den Bund vorgesehene Unterstützung für IT-Administration ist ein Schritt in die richtige Richtung. Langfristig fallen allein für die 20.000 IT-Kräfte bundesweit jährliche Kosten von knapp 2 Mrd. Euro an.

    Stärken:

    Schulqualität (BM 2020: 4. Platz): Aufgrund der guten Ergebnisse bei den letzten IQB-Schulleistungstests in Mathematik und Naturwissenschaften sowie im Lesen für die Neuntklässler erreicht Sachsen-Anhalt hinter Sachsen, Bayern und Thüringen Platz 4 bei der Schulqualität.

    Förderinfrastruktur (BM 2020: 7. Platz): Sachsen-Anhalt weist eine hohe Ganztagsquote in den Grundschulen auf. So besuchten im Jahr 2018 in Sachsen-Anhalt 63,4 Prozent der Grundschüler eine offene oder gebundene Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 42 Prozent). Unterdurchschnittlich fiel mit 29,8 Prozent jedoch der Anteil der Schüler an Ganztagsschulen im Sekundarbereich I aus (Bundesdurchschnitt: 46,3 Prozent). Darüber hinaus wurden 81,4 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen im Jahr 2019 in Sachsen-Anhalt ganztägig betreut (Bundesdurchschnitt: 46,9 Prozent). Dies ist der drittbeste Wert aller Bundesländer. Außerdem fiel der Anteil der Ungelernten am Personal in den Kindertageseinrichtungen geringer aus als im Bundesdurchschnitt (Sachsen-Anhalt: 1,3 Prozent; Bundesdurchschnitt: 2,2 Prozent).

    Potenziale:

    Inputeffizienz (BM 2020: 16. Platz): Im Handlungsfeld Inputeffizienz wird das negative Ergebnis in Sachsen-Anhalt vor allem von der unausgewogenen Altersstruktur der Lehrer insbesondere an allgemeinbildenden Schulen getragen. Sachsen-Anhalt bildet hier das Schlusslicht aller Bundesländer. Auch bei den beruflichen Schulen ist die Altersstruktur der Lehrer relativ unausgewogen. Weiterhin war der Anteil des wissenschaftlichen Personals am Gesamtpersonal der Hochschulen geringer als im Bundesdurchschnitt (Sachsen-Anhalt: 46,8 Prozent; Bundesdurchschnitt: 55,9 Prozent).

    Integration (BM 2020: 16. Platz): Im Jahr 2018 erlangten mit 1,6 Prozent unterdurchschnittlich viele Jugendliche mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit an beruflichen Schulen die Studienberechtigung (Bundesdurchschnitt: 6,9 Prozent), an allgemeinbildenden Schulen war es sogar die schlechteste aller Bundesländer (Sachsen-Anhalt 2,3 Prozent, Bundesdurchschnitt 9,2 Prozent). Zudem erreichten im Jahr 2018 in Sachsen-Anhalt 38,2 Prozent der ausländischen Schulabsolventen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 18,2 Prozent). Dies ist der zweitschlechteste Wert aller Bundesländer. Bei den Tests zu den Bildungsstandards im Jahr 2018 zeigte sich jedoch, dass der Einfluss des sozialen Hintergrunds der Eltern auf die Mathematikleistungen der Kinder geringer war und die Ergebnisse damit leicht besser als im Bundesdurchschnitt ausfielen.

    Betreuungsbedingungen (BM 2020: 15. Platz): In den Kindertageseinrichtungen kamen im Jahr 2019 rechnerisch auf eine Erzieherin 8,2 Kinder (Bundesdurchschnitt: 5,9). Eine unterdurchschnittliche Betreuungsrelation besteht auch an den Hochschulen. Auf eine Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen im Jahr 2018 18,4 Studierende (Bundesdurchschnitt: 17,7). Auch bei den erteilten Unterrichtsstunden pro Klasse schneidet Sachsen-Anhalt teilweise nicht gut ab. An den Grundschulen wurden im Jahr 2018 im bundesweiten Durchschnitt 31,2 Unterrichtsstunden pro Klasse erteilt, Sachsen-Anhalt kam jedoch nur auf einen Wert von 28,8 Stunden.

    Forschungsorientierung (BM 2020: 13. Platz): Deutlich unterdurchschnittlich fallen in Sachsen-Anhalt mit 104.800 Euro die eingeworbenen Drittmittel je Professor aus (Bundesdurchschnitt: 148.400 Euro). Auch die Relation der Forscher an Hochschulen zum BIP fällt leicht unterdurchschnittlich aus. Zudem ist in Sachsen-Anhalt auch die Habilitationsquote niedriger als im bundesdeutschen Durchschnitt. Die Promotionsquote fällt dagegen leicht überdurchschnittlich aus.

    Hochschule und MINT (BM 2020: 13. Platz): Sachsen-Anhalt nimmt den vorletzten Platz beim Anteil dual Studierender ein. Beim Anteil der Absolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums an allen Absolventen im Jahr 2018 liegt Sachsen-Anhalt mit 15 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 19 Prozent, ebenso beim Anteil der Absolventen in Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik mit 9,4 Prozent (Bundesdurchschnitt: 13,8 Prozent). Zudem war der MINT-Anteil am wissenschaftlichen Personal an den Hochschulen mit 29,3 Prozent niedriger als im Bundesdurchschnitt (34,3 Prozent).

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Sachsen-Anhalt. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Sachsen-Anhalt im Bildungsmonitor 2011 der INSM
    Download Factsheet

  • Legende

    besser

    schlechter