Der INSM-Bildungsmonitor 2020

Berlin Platz 13

  • Gesamtranking (Bestand)

    Berlin verbessert sich – Sprung auf 13. Platz

    Berlin – Berlin ist im INSM-Bildungsmonitor 2020 auf den 13. Platz der 16 Bundesländer geklettert. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 93 Indikatoren in 12 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2020

    Berlin weist in den Handlungsfeldern Betreuungsbedingungen, Förderinfrastruktur, Forschungsorientierung, Hochschule/MINT und Internationalisierung Stärken auf:

    • Die Betreuungsrelationen an Kitas, Schulen und Hochschulen sind gut.
    • Viele Kinder nehmen Ganztagsangebote in Kita und Grundschule wahr.
    • Gemessen an der Wirtschaftskraft sind viele Forscher in Berlin tätig.
    • Relativ zur akademischen Wohnbevölkerung gibt es viele Hochschulabsolventen.
    • In Berlin gibt es den höchsten Anteil an Bildungsausländern unter den Studierenden.

    Verbesserungspotenzial besteht in den Handlungsfeldern Berufliche Bildung, Bildungsarmut, Schulqualität und Integration:

    • Der Anteil unversorgter Jugendlicher ist hoch. Trotz großer Fortschritte ist das betriebliche Ausbildungsstellenangebot gemessen an der Bevölkerung gering.
    • Viele Jugendliche erreichen nicht die Mindeststandards an Kompetenzen. Die Schulabbrecherquote ist relativ hoch.
    • Die durchschnittlichen Kompetenzen in Mathe und Naturwissenschaften sind niedrig.
    • Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist eng.

    Handlungsempfehlungen

    Im Zuge der Corona-Krise entstehen bundesweit zusätzliche Herausforderungen, alle Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern und eine Verschärfung ungleicher Bildungschancen zu vermeiden. Positiv: Für das kommende Schuljahr bereitet sich Berlin auf verschiedene Szenarien vor, sowohl auf den Regelbetrieb in Präsenz als auch auf Fernunterricht. Der Digitalisierung an Schulen kommt dabei eine wichtige Bedeutung zu. Berlin weist ungünstige Voraussetzungen auf. Das Ausmaß an Bildungsarmut ist unter den Schülerinnen und Schülern schon vor der Corona-Krise vergleichsweise hoch, die Bildungschancen relativ ungleich. Gut ist der Zugang der Haushalte zu schnellem Internet.

    Die Ausstattung der Schulen und die Weiterbildung der Lehrkräfte sind für die digitale Weiterentwicklung des Unterrichts sicherzustellen. Schülerinnen und Schüler ohne eigenes Equipment sollten leihweise mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Positiv ist, dass hierfür für ganz Deutschland Mittel durch den Bund in Höhe von 500 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollten die Schulen als Arbeitgeber auch die Beschäftigten verstärkt mit dienstlichen Geräten ausstatten und Zeiten für zusätzliche Fort- und Weiterbildungsangebote für digitale Lernformate sicherstellen. In den Schulen sollten bundesweit rund 20.000 IT-Kräfte zur Administration eingestellt werden, um hierdurch die Lehrkräfte zu entlasten. Die im Konjunkturpaket durch den Bund vorgesehene Unterstützung für IT-Administration ist ein Schritt in die richtige Richtung. Langfristig sind bundesweit jährliche Zusatzausgaben für 20.000 IT-Kräfte im Umfang von etwa knapp 2 Mrd. Euro notwendig.

    Stärken:

    Betreuungsbedingungen (BM 2020: 2. Platz): Berlin erreicht im Jahr 2018 bei den Unterrichtsstunden vor allem am Gymnasium, aber auch bei anderen Schulen hohe Werte auf. Weiterhin kamen im Jahr 2018 in Berlin 13,2 Schüler der Sekundarstufe I (Gymnasium) auf eine Lehrkraft (Bundesdurchschnitt: 14,8). Dies ist wiederum der beste Wert aller Bundesländer. An den Hochschulen ist die Betreuungsrelation in Berlin ebenfalls relativ gut (Berlin: 15,6; Bundesdurchschnitt: 17,7). Auch in den Kindertageseinrichtungen fielen die Betreuungsrelationen mit 5,3 besser aus als im Durchschnitt (5,9).

    Förderinfrastruktur (BM 2020: 4. Platz): 76,8 Prozent der Berliner Grundschüler lernten im Jahr 2018 an einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 42 Prozent). Berlin belegt damit den vierten Platz aller Bundesländer. Ebenso fiel der Anteil der Ganztagsschüler im Sekundarbereich I in Berlin mit 62 Prozent deutlich höher aus als im bundesdeutschen Durchschnitt von 46,3 Prozent. Auch im frühkindlichen Bereich standen sehr viele Ganztagsangebote zur Verfügung. So besuchten 61 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder im Jahr 2019 ganztags einen Kindergarten (Bundesdurchschnitt: 46,9 Prozent).

    Forschungsorientierung (BM 2020: 4. Platz): Berlin trägt in hohem Maße zur Ausbildung des Forschernachwuchses bei. 6,7 Prozent aller Abschlüsse an Hochschulen waren im Jahr 2018 Promotionen (Bundesdurchschnitt: 5,6 Prozent). Die Habilitationsquote befindet sich in Berlin etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Die Forschungsorientierung Berlins wird außerdem an der Anzahl der Forscher an Hochschulen bezogen auf das BIP deutlich. Hier belegt Berlin den zweiten Platz aller Bundesländer.

    Hochschule und MINT (BM 2020: 4. Platz): Der Anteil der Absolventen an der 25-40-jährigen Bevölkerung fällt mit 3,4 Prozent überdurchschnittlich aus (Bundesdurchschnitt: 3,0 Prozent). Gemessen an der Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieure weist Berlin eine hohe Anzahl an Ingenieurabsolventen auf. Die Ersatzrate beträgt 8,2 Prozent und ist bundesweit der zweithöchste Wert (Bundesdurchschnitt: 6,3 Prozent). Im Unterschied zu den Ingenieurwissenschaften sind die Akzente in den Naturwissenschaften geringer.

    Internationalisierung (BM 2020: 4. Platz): Beim Anteil der Bildungsausländer an allen Studierenden weist Berlin mit 18,5 Prozent den Bestwert auf (Bundesdurchschnitt: 10,9 Prozent). Weiterhin fiel der Anteil der Berufsschüler in Berlin, die im Jahr 2018 in Fremdsprachen unterrichtet wurden, mit 56,3 Prozent deutlich höher aus als der Bundesdurchschnitt (35,1 Prozent). Der Anteil der Grundschüler mit Fremdsprachenunterricht lag im Jahr 2018 mit 50,3 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt: von 63 Prozent.

    Potenziale:

    Berufliche Bildung (BM 2020: 16. Platz): Gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter wurden im Jahr 2019 weiterhin relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten (Berlin 53,7 Prozent, Bundesdurchschnitt: 68,1 Prozent), Berlin konnte sich aber in den letzten Jahren deutlich verbessern (zum Vergleich 2003: 38,7 Prozent). Den letzten Platz nimmt Berlin auch bei der Quote der unversorgten Bewerber ein. Mit 14,3 Prozent fiel dieser Wert im Jahr 2019 deutlich höher aus als im Bundesdurchschnitt (8,9 Prozent).

    Bildungsarmut (BM 2020: 15. Platz): In Berlin erreichte bei den Schülervergleichsarbeiten des IQB ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards. Außerdem betrug im Jahr 2018 die Schulabbrecherquote 9,6 Prozent und lag damit über dem Bundesdurchschnitt von 6,6 Prozent. Berlin weist hier den zweitschlechtesten Wert aller Bundesländer auf.

    Schulqualität (BM 2020: 15. Platz): Bei den letzten IQB-Schulleistungstests für die Neuntklässler in Mathematik und Naturwissenschaften aus dem Jahr 2018 belegte Berlin einen der letzten Plätze.

    Integration (BM 2020: 15. Platz): Von 3.773 ausländischen Schulabgängern im Jahr 2018 blieben 818 ohne Abschluss. Dies ergibt eine Schulabbrecherquote unter den ausländischen Jugendlichen von 21,7 Prozent. Diese liegt oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts von 18,2 Prozent. Der Zusammenhang zwischen Bildungsherkunft und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler ist vergleichsweise eng.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Berlin. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Berlin im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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