Der INSM-Bildungsmonitor 2019

Berlin Platz 16

  • Gesamtranking (Bestand)

    Berlin wieder Schlusslicht bei Bildung

    Berlin – Berlin belegt im INSM-Bildungsmonitor 2019 den 16. und damit letzten Platz der Bundesländer, nachdem die Bundeshauptstadt im Vorjahr noch auf Rang 13 gekommen war. Im Vergleich mit dem Jahr 2013 erreicht Berlin aber die viertstärkste Verbesserung der Bundesländer. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 93 Indikatoren in 12 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2019

    Berlin weist in den Handlungsfeldern Betreuungsbedingungen, Forschungsorientierung, Förderinfrastruktur und Hochschule/MINT Stärken auf:

    • Viele Unterrichtsstunden und eine gute Zahlenrelation von Schülern zu Lehrkräften.
    • Die Professoren an Berliner Hochschulen werben viele Drittmittel ein und tragen in hohem Maß zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei.
    • Viele Schüler nehmen Ganztagsschulangebote wahr.
    • Viele Ingenieurabsolventen relativ zur Anzahl beschäftigter Ingenieure in Berlin.

    Verbesserungspotenzial besteht in den Handlungsfeldern Berufliche Bildung, Bildungsarmut und Schulqualität, Zeiteffizienz und Integration:

    • Das Ausbildungsstellenangebot ist gering, der Anteil unversorgter Jugendlicher relativ hoch, und es nehmen wenige Erwachsene an Fortbildungen teil.
    • Hoher Anteil lernschwacher Schüler und hoher Anteil an Schulabbrechern.
    • Viele Ausbildungsverträge werden vorzeitig abgebrochen.
    • Ein hoher Anteil ausländischer Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss.

    Handlungsempfehlungen

    Neben den genannten Verbesserungspotenzialen zeigt der Bildungsmonitor zu verschiedenen Schwerpunkten weitere Handlungsempfehlungen für die Bildungspolitik in Deutschland auf.

    Integration: So sollten zur Stärkung der Integration und Durchlässigkeit des Bildungssystems die Bildungsausgaben stärker nach einem Sozialindex differenziert und Sprachförderung systematisch mit Beginn der Kita über die Bildungslaufbahn hinweg gestärkt werden.

    Digitalisierung: Zur Sicherung der digitalen Mündigkeit sollte der Digitalpakt an Schulen und Berufsschulen zügig umgesetzt, Lehrkonzepte entwickelt und Lehrkräfte geschult werden. Auch hier sollte ein Zugang zur IT-Ausstattung durch eine Differenzierung der öffentlichen Bildungsausgaben über einen Sozialindex für alle Schüler gesichert werden. Ferner sollten bundesweit die IT-Ausbildung in der beruflichen und akademischen Bildung und die Forschung im Bereich der Digitalisierung gestärkt werden. Berlin hat im Bereich der Schulen Nachholbedarf bei der Digitalisierung und sollte auch bei der Forschung zusätzliche Impulse setzen. Positiv zu bewerten ist, dass bei der IT-Ausbildung leichte Fortschritte erreicht werden konnten.

    Ökonomische Bildung: Der aktuelle Bildungsmonitor zeigt ebenso auf, dass bei der ökonomischen Grundbildung und der Berufsorientierung bundesweit ein hoher Einfluss der sozialen Herkunft auf Kenntnisse und Informationsstand der Jugendlichen besteht und diese wiederum soziale Auswirkungen im späteren Leben haben. Hier sollten die Schulen bundesweit durch Lehrkonzepte zur ökonomischen Bildung sowie eine entsprechende Ausweitung des Unterrichts und der Berufsorientierung bessere Grundlagen und Chancen für alle Jugendlichen schaffen.

    Stärken:

    Betreuungsbedingungen (BM 2019: 2. Platz): In Berlin werden viele Unterrichtsstunden je Woche erteilt. Auch die Schüler-Lehrer-Relation ist gut. Rechnerisch kamen im Jahr 2017 in Berlin 13,2 Schüler der Sekundarstufe I (Gymnasium) auf einen Lehrer (Bundesdurchschnitt: 14,9). Dies ist der beste Wert aller Bundesländer. An den Hochschulen ist die Betreuungsrelation in Berlin ebenfalls relativ gut (Berlin: 15,5; Bundesdurchschnitt: 17,7). Auch in den Kindertageseinrichtungen fielen die Betreuungsrelationen mit 5,5 besser aus als im Durchschnitt (6,0).

    Forschungsorientierung (BM 2019: 3. Platz): Berlin trägt in hohem Maße zur Ausbildung des Forschernachwuchses bei. Dies zeigt sich unter anderem an der Promotionsquote, bei der Berlin den besten Wert aller Bundesländer erzielt. 7,3 Prozent aller Abschlüsse an Hochschulen waren im Jahr 2017 Promotionen (Bundesdurchschnitt: 5,7 Prozent). Die eingeworbenen Drittmittel je Professor betrugen in Berlin im Jahr 2016 159.400 Euro, während im Bundesdurchschnitt nur 144.000 Euro erzielt wurden.

    Förderinfrastruktur (BM 2019: 4. Platz): 79,2 Prozent der Berliner Grundschüler lernten im Jahr 2017 an einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 41,6 Prozent). Berlin belegt damit den vierten Platz aller Bundesländer. Ebenso fiel der Anteil der Ganztagsschüler im Sekundarbereich I in Berlin mit 59,6 Prozent deutlich höher aus als im bundesdeutschen Durchschnitt von 44,8 Prozent.

    Hochschule/MINT (BM 2019: 4. Platz): Relativ zur Zahl der Studienberechtigten nehmen in Berlin sehr viele Personen dort ihr Studium auf. Der Anteil der Ingenieurwissenschaften an allen Hochschulabsolventen ist mit 19,6 Prozent leicht überdurchschnittlich (Bundesdurchschnitt: 19,3 Prozent). Damit erreicht Berlin auch gemessen an der Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieure eine hohe Anzahl an Ingenieurabsolventen – die Ersatzrate beträgt 9,1 Prozent und ist bundesweit der zweithöchste Wert (Bundesdurchschnitt: 6,8 Prozent).

    Potenziale:

    Berufliche Bildung (BM 2019: 16. Platz): Gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter wurden im Jahr 2018 weiterhin relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Berlin verzeichnete mit 56,1 Prozent die niedrigste Quote in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 67,7 Prozent), konnte sich aber in den letzten Jahren deutlich verbessern (zum Vergleich 2003: 38,7 Prozent). Den letzten Platz nimmt Berlin auch bei der Quote der unversorgten Bewerber ein. Mit 14,9 Prozent fiel dieser Wert im Jahr 2018 deutlich höher aus als im Bundesdurchschnitt (9,3 Prozent). Zudem war die Erfolgsquote bei den Prüfungen der dualen Ausbildung im Jahr 2017 mit 85,6 Prozent niedriger als im Bundesdurchschnitt (90,3 Prozent). Berlin konnte sich allerdings auch bei diesem Indikator in den letzten Jahren stark verbessern. Im Jahr 2000 betrug die Erfolgsquote noch 76,9 Prozent.

    Bildungsarmut (BM 2019: 15. Platz): In Berlin erreichte bei den Schülervergleichsarbeiten des IQB ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards. Außerdem betrug im Jahr 2017 die Schulabbrecherquote 9,2 Prozent und lag damit über dem Bundesdurchschnitt von 6,3 Prozent. Berlin weist hier den zweitschlechtesten Wert aller Bundesländer auf.

    Zeiteffizienz (BM 2019: 15. Platz): Deutlich unterdurchschnittlich schnitt Berlin bei dem Anteil vorzeitig abgebrochener Ausbildungsverträge an allen Ausbildungsverträgen ab. Mit 39,3 Prozent belegt Berlin hier im Jahr 2017 den letzten Platz (Bundesdurchschnitt: 28,3 Prozent). Zudem weist Berlin im Jahr 2017 mit 27,3 Jahren das zweithöchste Durchschnittsalter der Erstabsolventen von Hochschulen aller Bundesländer auf (Bundesdurchschnitt: 26,0 Jahre).

    Integration (BM 2019: 14. Platz): Bei der Integration von Ausländern bleibt viel zu tun: Von 4.109 ausländischen Schulabgängern im Jahr 2017 blieben 855 ohne Abschluss. Dies ergibt eine Schulabbrecherquote unter den ausländischen Jugendlichen von 20,8 Prozent. Diese liegt oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts von 18,1 Prozent.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Berlin. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Berlin im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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