Der INSM-Bildungsmonitor 2018

Thüringen Platz 2

  • Gesamtranking (Bestand)

    Thüringen liegt auf Platz 2 und erreicht durchschnittliche Bewertung im Bereich Digitalisierung

    Berlin – Thüringen rangiert im INSM-Bildungsmonitor 2018 auf Platz 2 der 16 Bundesländer, hat sich aber im Fünfjahresvergleich am deutlichsten verschlechtert. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 93 Indikatoren in 12 Handlungs-feldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Im zusätzlich erstmals qualitativ erfassten Bereich Digitalisierung weist Thüringen eine im Vergleich der Bundesländer durchschnittliche Bewertung auf.

    Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2018

    Besondere Stärken weist Thüringen in den Handlungsfeldern Betreuungsbedingungen, Ausgabenpriorisierung, Förderinfrastruktur und Berufliche Bildung auf:

    • Vor allem an den beruflichen Schulen kommen auf eine Lehrkraft wenige Schüler.
    • Die Bildungsausgaben je Schüler sind an den Berufsschulen sehr hoch.
    • Für Kita-Kinder und an den Grundschulen gibt es ein sehr gutes Ganztagsangebot.
    • Nur wenigen Jugendlichen kann keine Ausbildungsstelle angeboten werden.

    Deutliches Verbesserungspotenzial besteht in Thüringen vor allem bei der Inputeffizienz und im Handlungsfeld Integration:

    • Die Altersstruktur der Lehrer in Thüringen ist sehr unausgewogen; dies erschwert eine gute Personalpolitik der Schulen.
    • elativ viele ausländische Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss.

    Digitalisierung

    Der INSM-Bildungsmonitor 2018 analysiert erstmals zusätzlich die Situation im Bereich Bildung und Digitalisierung. Hierzu werden insgesamt sieben Indikatoren qualitativ eingeordnet und bewertet. Die Indikatoren bilden die IT-Ausstattung der Schulen, die Einschätzung zu Kompetenzen der Lehrkräfte, die Förderung von IT-Kompetenzen der Schüler und die Nutzung von Computern im Unterricht ab. Dazu werden das IT-Ausbildungs-engagement an beruflichen Schulen und Hochschulen sowie Anmeldungen zu Digitalisie-rungspatenten bewertet.

    Im Unterschied zum INSM-Bildungsmonitor 2018 insgesamt erreicht Thüringen bei der Digitalisierung nur eine durchschnittliche Bewertung. Thüringen überzeugt durch

    • eine vergleichsweise gute Nutzung digitaler Medien im Unterricht.

    Verbesserungsbedarf gibt es allerdings bei der

    • quantitativen IT-Ausbildung in der beruflichen Bildung und an den Hochschulen sowie
    • bei der Forschung im Bereich Digitalisierung.

    Um die neue Herausforderung Digitalisierung anzunehmen, sollte der Digitalpakt der Bundesregierung zügig umgesetzt und durch Investitionen der Länder sowie durch die Entwicklung von Lehrkonzepten begleitet werden. Um zielgenau investieren und das Bildungssystem effizient steuern zu können, sollten dringend die amtliche Datenlage zum Thema Digitalisierung und Bildung aufgebaut und Vergleichsarbeiten auf Basis entsprechender Standards bundesweit umgesetzt werden.

    Stärken:

    Betreuungsbedingungen (BM 2018: 1. Platz): Günstige Betreuungsrelationen bieten in Thüringen gute Voraussetzungen für individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen. Auf einen Lehrer an den Grundschulen kamen im Jahr 2016 rechnerisch 14,7 Kinder (Bundesdurchschnitt: 16,3). Im Sekundarbereich I (ohne Gymnasien) lag Thüringen im Jahr 2016 bei der Betreuungsrelation klar an der Spitze aller Bundesländer (TH: 10,7 Schüler pro Lehrer; Bundesdurchschnitt: 13,4). Dasselbe gilt für die Schüler-Lehrer-Relation in der Sekundarstufe II und an den beruflichen Schulen.

    Ausgabenpriorisierung (BM 2018: 1. Platz): Thüringen weist Bildung im öffentlichen Ausgabeverhalten im Vergleich der Bundesländer die höchste Priorität zu. Die Relation der Bildungsausgaben pro Teilnehmer zu den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte pro Einwohner fällt bei den beruflichen Schulen und bei den allgemeinbildenden weiterführenden Schulen besonders gut aus. Thüringen erzielt hier jeweils den Bestwert aller Bundesländer.

    Förderinfrastruktur (BM 2018: 2. Platz): In Kita und Grundschule überzeugt Thüringen durch ein breites Ganztagsangebot. Beim Anteil der ganztags betreuten Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren erreichte Thüringen im Jahr 2017 mit einem Wert von 91,8 Prozent den Bestwert aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt 45,3). Darüber hinaus wies Thüringen im Jahr 2016 mit 89,0 Prozent die zweithöchste Quote von Ganztagsschülern im Grundschulbereich auf (Bundesdurchschnitt: 40,8 Prozent). Bei dem Anteil der Schüler an Ganztagschulen im Sekundarbereich I erzielte Thüringen mit 25,7 Prozent jedoch einen unterdurchschnittlichen Wert (Bundesdurchschnitt: 43,4 Prozent).

    Berufliche Bildung (BM 2018: 3. Platz): Der Übergang von der Schule in den Beruf gelingt in Thüringen nach wie vor gut – nur wenige Jugendliche finden keinen Ausbildungsplatz. Bei der Quote der unversorgten Bewerber erzielte Thüringen mit 5,1 Prozent den besten Wert aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 9,3 Prozent). Mit 63,8 Prozent lag die Ausbildungsquote im Jahr 2017 allerdings etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 64,8 Prozent.

    Potenziale:

    Inputeffizienz (BM 2018: 15. Platz): Ein großes Problem stellt die unausgewogene Altersstruktur der Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen dar – nur in Sachsen-Anhalt war die Altersverteilung im Jahr 2016 noch ungleichmäßiger. Auch an den beruflichen Schulen ist die Altersstruktur der Lehrer relativ unausgewogen. Durch die unausgewogene Altersstruktur ist es schwierig, die ausscheidenden Lehrkräfte kontinuierlich gut zu ersetzen.

    Integration (BM 2018: 11. Platz): Die Studienberechtigtenquote von ausländischen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen war geringer als im Bundesdurchschnitt. Im Jahr 2016 betrug diese in Thüringen 5,1 Prozent und im Durchschnitt aller Bundesländer 9,1 Prozent. Zudem erreichten im Jahr 2016 in Thüringen 22,7 Prozent der ausländischen Schulabsolventen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 14,2 Prozent).

    Digitalisierung: Bewertung „Durchschnittlich“ (o)

    Nach Untersuchungen der Telekom-Stiftung im Jahr 2017 weist Thüringen relativ zu den anderen Bundesländern Stärken bei der Nutzung der digitalen Medien im Unterricht an Schulen auf. Gemessen an der durchschnittlichen Jahrgangsstärke der 20- bis 24-Jährigen haben aber nach IW-Berechnungen nur 0,8 Prozent der Jugendlichen einen neuen IT-Ausbildungsvertrag abgeschlossen (Bundesdurchschnitt: 1,8 Prozent). Auch die Zahl der IT-Absolventen von Hochschulen ist vergleichsweise niedrig. Unterdurchschnittlich schneidet Thüringen auch bei Digitalisierungspatenten ab. Pro 100.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen wurden im Jahr 2015 in Thüringen 4,6 Digitalisierungspatente angemeldet (Bundesdurchschnitt: 13,3).

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Thüringen. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Thüringen im Bildungsmonitor 2011 der INSM
    Download Factsheet

  • Legende

    besser

    schlechter