Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft präsentiert
Der Freistaat punktet bei der geforderten Qualität, sollte aber Hochbegabte besser fördern
INSM-IW-Politik-Check Schule: Das Länderprofil von Sachsen
Der INSM-IW-Politik-Check Schule bewertet erstmals die schulpolitischen Weichenstellungen, die die Landesregierungen nach dem PISA-Schock getroffen haben, um in Zukunft bessere Schulbildung zu ermöglichen. Die Studie bewertet, wie weit die jeweiligen Landesregierungen mit der gesetzgeberischen und politischen Umsetzung eines von Bildungsexperten entworfenen Reformkataloges vorangekommen sind. Die Zielerreichung wird durch Schulnoten bewertet.
Das Land Sachsen erreicht im Durchschnitt aller 5 untersuchten Reformbereiche eine 3+
Der Freistaat zeichnet sich durch eine besonders aktive Reformtätigkeit in einigen Qualitätsbereichen aus. So wurden die bildungsprogrammatischen Zielvorgaben in angemessene Strategien und Instrumente der Qualitätssicherung übersetzt. So führt Sachsen flächendeckend die interne und externe Prüfung seiner Schulen ein. Defizite hat Sachsen bei der eigenverantwortlichen Schulentwicklung. Schulleiter haben weder Disziplinarrecht noch dürfen sie eigenverantwortlich Lehrer einstellen. Das Schulpolitikzeugnis für Sachsen im Einzelnen:
Bildungspolitische Ziele: Note 2
Sachsen hat in diesem Qualitätsbereich eine stattliche bildungsprogrammatische Agenda abgearbeitet und steht deshalb vergleichsweise gut da. Laut Schulgesetz hat die Schule die Aufgabe, Schüler so weit fit zu machen, dass sie sich nach der Schule beruflich qualifizieren können. Vorbildlich geregelt ist auch die Verpflichtung zur regelmäßigen internen und externen Evaluation der Schulen – zum Beispiel durch externe Schulinspektionen. Maßnahmen zur Verbesserung der Zeiteffizienz sind ebenfalls grundsätzlich eingeführt. Zum Beispiel wurde die gymnasiale Schulzeit auf acht Jahre verkürzt. Außerdem können Kinder bei Schulreife früher eingeschult werden. Allerdings sollte die Regelung zur Verbesserung der Zeiteffizienz im Schulgesetz verbindlicher formuliert werden, wie es in anderen Ländern geschehen ist.
Qualitätssicherung: Note 2+
Bei Strategien und Instrumenten der Qualitätssicherung hat Sachsen in ähnlicher Weise qualitativ hohe formale Standards geschaffen wie Berlin und Nordrhein-Westfalen. Einzelschulen werden in Sachsen in Zukunft regelmäßig ihre Qualität durch interne Evaluationen messen müssen; dazu werden auch externe Schulinspektionen gehören. Die flächendeckende Einführung findet zurzeit statt. Für Qualität sorgen auch obligatorische Vergleichsarbeiten, die in allen Schulen gleichzeitig stattfinden, Lernstandserhebungen und zentrale (Abschluss-) Prüfungen. Systematisch testet Sachsen auch die Sprachkompetenz von Kindern im Vorschulalter und bietet gezielte Sprachförderung an. Die Maßnahmen zur Qualitätssicherung sind systemisch und systematisch angelegt und auf qualitätswirksame Effekte ausgerichtet.
Systemmanagement: Note 3
Im Qualitätsbereich Systemmanagement hat Sachsen den Einzelschulen noch nicht die nötigen Entscheidungskompetenzen übertragen, die diese als eigenverantwortliche operative Einheiten brauchen. Schulleiter haben keine Führungsverantwortung im Sinne des Disziplinarrechts. Sie dürfen auch keine Lehrer einstellen. Sie haben lediglich ein Anhörungsrecht, wenn sie einen Bewerber zugewiesen bekommen. Schulleiter haben in Sachsen im Regelfall die Budgetverantwortung für Sachmittel und keine Hoheit über den Personaletat. Dies gibt es in Sachsen nur an Modellschulen, die mehr Eigenverantwortlichkeit erproben. Die Einführung des Führungsinstruments Zielvereinbarungen ist in der politischen Diskussion. Zurzeit finden Fortbildungsveranstaltungen für Schulleiter statt, um diese darauf vorzubereiten.
Schulkultur: Note 3
Schulen in Sachsen sind aufgefordert, ihre pädagogische Praxis an einem Schulprogramm zu orientieren und zu überprüfen. Die Umsetzung dieser Verpflichtung ist bereits gängige Praxis. Das Ganztagsschul-Programm – insbesondere mit verpflichtenden Unterrichtsangeboten – sollte ausgebaut werden. Denn die Ganztagsbetreuung nützt vor allem auch Kindern aus bildungsarmen Schichten, die zuhause möglicherweise keine optimale Förderung erfahren. Sie ist zudem ein Instrument, um Schulzeiten zu verkürzen, weil es so gelingt, schneller mehr Bildung zu transportieren.
Lehren und Lernen: Note 3
Sachsen ist bei der Umsetzung von Bildungsstandards in Lehrpläne ein gutes Stück vorangekommen und hat für einige Schulformen neue Lehrpläne formuliert, die bis zum Jahr 2009 eingeführt werden sollen. Darin wird festgelegt, über welche Kompetenzen Schüler zu bestimmten Zeitpunkten verfügen sollten. Zum Beispiel für Schüler mit mangelnden Sprachkompetenzen macht das Land gute adressatenspezifische Angebote. Nachholbedarf hat Sachsen bei der Förderung von hochbegabten Schülern. Dies gilt auch für die integrative sonderpädagogische Förderung von Schülern mit Behinderungen. Sie sollten nach Möglichkeit in Regelklassen gemeinsam mit nicht behinderten Schülern unterrichtet werden. Im Schuljahr 2006 wurden weniger als 10 Prozent aller Förderschüler in Integrationsklassen unterrichtet. Insgesamt wäre zu wünschen, dass die Förderung spezieller Schülergruppen im sächsischen Schulgesetz mit mehr Nachdruck gefordert wird, wie dies zum Beispiel in Hessen der Fall ist.


