Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft präsentiert
Bessere Bildung in Brandenburg in Sicht, mehr Rechte für Schulleiter nötig
INSM-IW-Politik-Check Schule: Das Länderprofil von Brandenburg
Der INSM-IW-Politik-Check Schule bewertet erstmals die schulpolitischen Weichenstellungen, die die Landesregierungen nach dem PISA-Schock getroffen haben, um in Zukunft bessere Schulbildung zu ermöglichen. Die Studie bewertet, wie weit die jeweiligen Landesregierungen mit der gesetzgeberischen und politischen Umsetzung eines von Bildungsexperten entworfenen Reformkataloges vorangekommen sind. Die Zielerreichung wird durch Schulnoten bewertet.
Das Land Brandenburg erreicht im Durchschnitt aller 5 untersuchten Reformbereiche eine 3+
Brandenburg hat in den letzten Jahren nahezu alle Themen der bildungspolitischen Agenda umgesetzt. Besonders gut aufgestellt sind die Qualitätsbereiche „Rechtliche und bildungspolitische Voraussetzungen und Bedingungen“ sowie „Lehren und Lernen“. Bis auf den Qualitätsbereich „Systemmanagement“ hält das Land Anschluss zum Gros der reformaktiven Länder. Defizite gibt es hier bei der Selbstständigkeit von Schulen. Schulleiter haben beispielsweise keine disziplinarischen Befugnisse. Die Politik hat hier ein deutliches Vollzugsdefizit. Das Schulpolitikzeugnis für Brandenburg im Einzelnen:
Bildungspolitische Ziele: Note 2
Brandenburg hat in diesem Qualitätsbereich eine stattliche bildungsprogrammatische Agenda abgearbeitet und steht deshalb vergleichsweise gut da. Im Schulgesetz ist die Ausbildungs- und Berufsbildungsreife als zentrales Qualifikationsziel von Schule festgelegt. Vorbildlich geregelt ist auch die Verpflichtung zur regelmäßigen internen und externen Evaluation der Schulen – zum Beispiel durch externe Schulinspektionen. Der Gesetzgeber hat auch Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Kinder flexibel eingeschult und vor Klassenwiederholungen geschützt werden – Fachleute nennen das eine bessere Nutzung der Zeitressourcen. All das hat das Planungs- und Erprobungsstadium hinter sich und wird aktuell eingeführt.
Qualitätssicherung: Note 2-
Was die Bereitstellung von Strategien und Instrumenten der Qualitätssicherung betrifft, ist das Land Brandenburg vergleichsweise gut aufgestellt: Es existiert ein verbindlicher Orientierungsrahmen für Schulqualität; diese soll intern und auch durch eine externe Schulinspektion geprüft werden. Diese Schulevaluation wird in Brandenburg gerade flächendeckend eingeführt. Brandenburg verfügt über zentrale Prüfungen, einheitliche Vergleichsarbeiten und Parallelarbeiten, die schulübergreifende Leistungsvergleiche innerhalb eines Jahrgangs ermöglichen. Das wird voraussichtlich in einigen Jahren zu messbaren Qualitätsverbesserungen führen. Verbessert werden sollte die Eingangsdiagnostik – zum Beispiel durch systematische Feststellung eventuell vorhandener Sprachdefizite im Vorschulalter. Dies ist in Brandenburg anders als in anderen Bundesländern noch nicht flächendeckend Standard. Vorreiter sind hier Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Systemmanagement: Note 4-
Im Qualitätsbereich Systemmanagement hat Brandenburg den Einzelschulen noch nicht die nötigen Entscheidungskompetenzen übertragen, die diesen als eigenverantwortliche operative Einheiten zufallen. So haben Schulleiter in Brandenburg keine disziplinarischen Kompetenzen. Sie haben auch nicht das Recht, die Leistung ihrer Mitarbeiter zu beurteilen. All das brauchen sie aber, um verantwortlich für das Gelingen der pädagogischen und erzieherischen Arbeit an ihren Schulen sorgen zu können. Aktuell wird in Brandenburg über die Einführung von Zielvereinbarungen als Führungsinstrument für Schulleiter diskutiert. Aber nach bisherigem Stand ist all das noch sehr unverbindlich. Schulleiter brauchen das Recht, selbst Lehrer einstellen zu können. Bisher nehmen sie bei Einstellungsgesprächen lediglich teil und haben ein Vetorecht. Sie verfügen bislang auch nur über sehr eingeschränkte Budgetbefugnisse (Sachmittel). Die eigenverantwortliche Verwaltung eines Personal-Budgets durch die Schulleiter befindet sich in Brandenburg erst im Modellstadium.
Schulkultur: Note 3
Schulen in Brandenburg müssen sich selber ein Schulprogramm geben, in dem beispielweise ihre pädagogische Praxis definiert wird. Dieses Programm ist regelmäßig zu überprüfen und fortzuschreiben. Flächendeckend gibt es in Brandenburg noch keine voll gebundenen Ganztagsschulen, die vor allem für Kinder aus bildungsärmeren Schichten im Interesse einer optimalen Förderung von großer Bedeutung sind. Nur die integrierten Gesamtschulen sind Ganztagsschulen mit verpflichtendem Angebot. Auch die Brandenburger Schulpolitik sollte vollzeitschulische Ganztagsbetreuung auf die Agenda setzen. Sie hat hier ähnliche Defizite wie der große Nachbar Berlin.
Lehren und Lernen: Note 2-
Brandenburg punktet bei der integrativen sonderpädagogischen Förderung, aber auch in der Sprachförderung. Kinder mit Lern- oder Körperbehinderungen werden hier vielfach in Regelklassen unterrichtet. Brandenburg bietet hier eine Vielzahl von Maßnahmen und Programmen an, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten – zum Beispiel lernschwache und hochbegabte Schüler. Zwar könnte hier auch in Brandenburg noch einiges besser sein, aber insgesamt ist das Land bei adressatenspezifischen Förderangeboten in den Schulen gut aufgestellt. Brandenburg hat mit Berlin und Mecklenburg-Vorpommern Bildungsstandards nach den Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) in vorbildlicher Weise in kompetenzorientierte Lehrpläne umgesetzt. Die KMK hatte 2003 erstmals klar definiert, was Schüler in bestimmten Stadien ihrer Schullaufbahn wissen und können müssen.


