Der Bildungsmonitor 2017 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Schleswig-Holstein Platz 13

  • Gesamtranking (Bestand)

    Schleswig-Holstein liegt im Bildungsvergleich auf Rang 13…

    … und hat Handlungsbedarf bei Hochschulen und beim Ganztagsangebot.

    Berlin – Schleswig-Holstein rangiert im Bildungsmonitor 2017 auf Rang 13 der 16 Bundesländer. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von 12 Handlungsfeldern, die insgesamt 93 Indikatoren umfassen, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse Bildungsmonitor 2017

    Schleswig-Holstein weist in den Feldern Zeiteffizienz und Bildungsarmut Stärken auf:

    • Wenige Kinder werden verspätet eingeschult oder wiederholen eine Klasse.
    • Nur ein geringer Anteil der Schüler erreicht nicht die Mindeststandards im Lesen.

    Deutliches Verbesserungspotenzial besteht vor allem in den Feldern Hochschule/MINT, Förderinfrastruktur, Berufliche Bildung, Betreuungsbedingungen und Internationalisierung:

    • Es gibt wenige Hochschulabsolventen und eine geringe Bedeutung der MINT-Fächer.
    • In KITAs und in der Schule besuchen wenige Kinder Ganztagseinrichtungen.
    • Die Erfolgsquote an beruflichen Vollzeitschulen ist niedrig.
    • Vor allem in der Sekundarstufe II betreut ein Lehrer vergleichsweise viele Schüler.
    • In Schleswig-Holstein studieren vergleichsweise wenige international Studierende.

    Exkurs: Bildungsagenda

    Der Bildungsmonitor 2017 zeigt, dass die Herausforderungen für das Bildungssystem durch Integration, Digitalisierung und demografischen Wandel größer geworden sind. Bundesweit fallen die Fortschritte im Bildungsmonitor jedoch immer kleiner aus, teilweise macht das Bildungssystem sogar Rückschritte. Deshalb hat das IW Köln für den Bildungsmonitor 2017 eine Reformagenda entwickelt, die einen Mehrbedarf an Bildungsausgaben von 12 Milliarden Euro jährlich aufdeckt. Dieses Geld ist zielgerichtet in jenen Bereichen einzusetzen, die für die Integration der Zuwanderer sowie für die Gestaltung der Digitalisierung und des demografischen Wandels besonders wichtig sind. Konkret bedeutet dies für ganz Deutschland zusätzliche jährliche Bildungsausgaben von:

    • 3,5 Milliarden Euro für Integration,
    • 5,0 Milliarden Euro für mehr Qualität und Plätze in der frühkindlichen Bildung,
    • 2,7 Milliarden Euro für Ganztagsschulen und
    • 0,8 Milliarden Euro für Studierende aus dem Ausland an deutschen Hochschulen.

    Das Augenmerk sollte dabei nicht auf Strukturdebatten gerichtet sein, sondern auf Maßnahmen, die die Bildungsqualität der Schulen stärken. Es gilt, die Kräfte auf die Umsetzung der Digitalisierung durch Lehrkonzepte und Lehrerfortbildung sowie auf eine besseren Berufs- und Studienorientierung zu konzentrieren. Untersuchungen zeigen, dass sich gezielt eingesetzte zusätzliche Bildungsausgaben volkswirtschaftlich langfristig auszahlen.

    Stärken in bildungspolitischen Handlungsfeldern in Schleswig-Holstein:

    Zeiteffizienz (BM 2017: 1. Platz): Die Wiederholerquoten waren im Jahr 2015 in Schleswig-Holstein geringer als in den meisten anderen Bundesländern. An den Grundschulen lag sie bei 0,2 Prozent und war damit die niedrigste aller Bundesländer. Die Wiederholerquote in der Sekundarstufe I betrug 1,7 Prozent und im Durchschnitt aller Bundesländer 2,6 Prozent. Zudem wurden nur sehr wenige Kinder verspätet eingeschult. Der Anteil der vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträge fiel jedoch in Schleswig-Holstein etwas höher aus als im bundesdeutschen Durchschnitt.

    Bildungsarmut (BM 2017: 6. Platz): In verschiedenen Kompetenzerhebungen (IQB) ist sowohl bei den Kindern aus der 4. Klasse als auch bei denen aus der 9. Klasse nur ein unterdurchschnittlicher Anteil zur Risikogruppe zu zählen. Beispielsweise erreichte bei der IQB-Erhebung der Neuntklässler aus dem Jahr 2015 nur ein relativ geringer Anteil der Schüler lediglich die unterste Kompetenzstufe. Der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss fiel jedoch mit 7,4 Prozent in Schleswig-Holstein schlechter aus als im bundesdeutschen Durchschnitt (5,6 Prozent).

    Potenziale in bildungspolitischen Handlungsfeldern in Schleswig-Holstein:

    Hochschule und MINT (BM 2017: 16. Platz): Die Relation der Studienabsolventen zur akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter war im Jahr 2015 die geringste in ganz Deutschland. Die Akademikerersatzquote betrug 3,7 Prozent (Bundesdurchschnitt: 5,1 Prozent). Nach wie vor beginnen so wenige Studienanfänger ein duales Studium wie in keinem anderen Bundesland. Zudem war der MINT-Anteil am wissenschaftlich-künstlerischen Hochschulpersonal im Jahr 2015 mit 26,6 Prozent der niedrigste von allen Bundesländern (Bundesdurchschnitt: 34,5 Prozent).

    Förderinfrastruktur (BM 2017: 15. Platz): Bei den drei- bis sechsjährigen Kindern lag die Ganztagsquote in Schleswig-Holstein 2016 mit 31,5 Prozent unterhalb des Bundesdurchschnitts von 44,5 Prozent. Unterdurchschnittlich war auch die Ganztagsquote bei den Grundschülern und den Schülern aus der Sekundarstufe I. Im Jahr 2015 betrug der Anteil 19,9 Prozent bzw. 30,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 34,4 bzw. 41,5 Prozent).

    Berufliche Bildung (BM 2017: 15. Platz): Bei der Quote an unversorgten Bewerbern schnitt Schleswig-Holstein mit 12,6 Prozent schlechter ab als der Bundesdurchschnitt (9,5 Prozent). Darüber hinaus war die Erfolgsquote von 67,8 Prozent bei den Prüfungen an Berufsfachschulen, Fachoberschulen und Fachschulen die zweitniedrigste aller Bundesländer und lag deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 80,5 Prozent. In puncto Fortbildungsintensität stand Schleswig-Holstein ebenfalls nicht gut da.

    Betreuungsbedingungen (BM 2017: 15. Platz): In der Sekundarstufe II kamen im Jahr 2015 auf eine Lehrkraft rechnerisch 14,8 Schüler. Dies ist die zweitschlechteste Relation aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 12,2). Eine unterdurchschnittliche Betreuungsrelation besteht auch an den Hochschulen. Auf eine Lehrkraft (Professor, Dozent, Lehrbeauftragter) kamen im Jahr 2015 19,5 Studierende (Bundesdurchschnitt: 17,4).

    Internationalisierung (BM 2017: 14. Platz): Im Jahr 2015 studierten nur wenige Bildungsausländer in Schleswig-Holstein. Ihr Anteil an allen Studierenden war mit 6,1 Prozent der niedrigste Wert aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 9,5 Prozent). Zudem blieb der Anteil der Grundschüler, die Fremdsprachenunterricht haben, mit 48,7 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 67,1 Prozent. Der Anteil der Berufsschüler mit Fremdsprachenunterricht war in Schleswig-Holstein ebenfalls unterdurchschnittlich. Die Englischkompetenzen der Schüler im Hören und im Leseverständnis fielen jedoch überdurchschnittlich aus.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Schleswig-Holstein. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Schleswig-Holstein im Bildungsmonitor 2011 der INSM
    Download Factsheet

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