Der Bildungsmonitor 2017 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Berlin Platz 16

  • Gesamtranking (Bestand)

    Berlin belegt abermals den 16. und damit letzten Platz …

    … ist jedoch in der Forschung spitze.

    Berlin - Berlin belegt zwar im Bildungsmonitor 2017 insgesamt nur den letzten Rang, erreicht aber bei der Forschung den besten Wert aller 16 Bundesländer. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von 12 Handlungsfeldern, die insgesamt 93 Indikatoren umfassen, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

    Ausgewählte Ergebnisse Bildungsmonitor 2017

    Berlin weist in den Handlungsfeldern Forschungsorientierung, Betreuungsbedingungen, Förderinfrastruktur und Hochschule/MINT Stärken auf:

    • Die Professoren an Berliner Hochschulen werben viele Drittmittel ein und tragen in hohem Maß zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei.
    • Die Schulen bieten viele Unterrichtsstunden und gute Betreuungsrelationen zwischen Lehrern und Schülern.
    • Viele Schüler nehmen Ganztagsschulangebote wahr.
    • Gemessen an der Zahl der beschäftigten Ingenieure bringen die Hochschulen viele Ingenieurabsolventen hervor.

    Deutliches Verbesserungspotenzial mit einem jeweils letzten Platz besteht in Berlin in den Handlungsfeldern Zeiteffizienz, Bildungsarmut und Integration:

    • Viele Ausbildungsverträge werden vorzeitig abgebrochen; die Studienabsolventen sind die ältesten in Deutschland.
    • Viele Schüler erreichen nur geringe Kompetenzwerte bei Schulvergleichstests; viele Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss.
    • Ein hoher Anteil ausländischer Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss; die soziale Herkunft wirkt sich besonders stark auf das Bildungsergebnis aus.

    Exkurs: Bildungsagenda

    Der Bildungsmonitor 2017 zeigt, dass die Herausforderungen für das Bildungssystem durch Integration, Digitalisierung und demografischen Wandel größer geworden sind. Bundesweit fallen die Fortschritte im Bildungsmonitor jedoch immer kleiner aus, teilweise macht das Bildungssystem sogar Rückschritte. Deshalb hat das IW Köln für den Bildungsmonitor 2017 eine Reformagenda entwickelt, die einen Mehrbedarf an Bildungsausgaben von 12 Milliarden Euro jährlich aufdeckt. Dieses Geld ist zielgerichtet in jenen Bereichen einzusetzen, die für die Integration der Zuwanderer sowie für die Gestaltung der Digitalisierung und des demografischen Wandels besonders wichtig sind. Konkret bedeutet dies für ganz Deutschland zusätzliche jährliche Bildungsausgaben von:

    • 3,5 Milliarden Euro für Integration,
    • 5,0 Milliarden Euro für mehr Qualität und Plätze in der frühkindlichen Bildung,
    • 2,7 Milliarden Euro für Ganztagsschulen und
    • 0,8 Milliarden Euro für Studierende aus dem Ausland an deutschen Hochschulen.

    Das Augenmerk sollte dabei nicht auf Strukturdebatten gerichtet sein, sondern auf Maßnahmen, die die Bildungsqualität der Schulen stärken. Es gilt, die Kräfte auf die Umsetzung der Digitalisierung durch Lehrkonzepte und Lehrerfortbildung sowie auf eine besseren Berufs- und Studienorientierung zu konzentrieren. Untersuchungen zeigen, dass sich gezielt eingesetzte zusätzliche Bildungsausgaben volkswirtschaftlich langfristig auszahlen.

    Stärken in bildungspolitischen Handlungsfeldern in Berlin:

    Forschungsorientierung (BM 2017: 1. Platz): Berlin trägt in hohem Maß zur Ausbildung des Forschernachwuchses bei. Dies zeigt sich unter anderem an der Promotionsquote, bei der Berlin den besten Wert aller Bundesländer erzielt: 7,8 Prozent aller Abschlüsse an Hochschulen waren im Jahr 2015 Promotionen (Bundesdurchschnitt: 6,1 Prozent). Die Habilitationsquote lag in Berlin mit 3,9 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt von 3,6 Prozent.

    Betreuungsbedingungen (BM 2017: 2. Platz): Berlin hat im Jahr 2015 bei den Unterrichtsstunden je Klasse in der Sekundarstufe I den besten Wert aller Bundesländer erreicht. Auch an Grundschulen und Teilzeit-Berufsschulen bekommen die Klassen in der Hauptstadt vergleichsweise viel Unterricht. Zudem kamen 2015 in Berlin 11,5 Schüler der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium) auf einen Lehrer (Bundesdurchschnitt: 13,5). An der Sekundarstufe I der Gymnasien war das Verhältnis von Schülern zu Lehrern ebenfalls relativ gut. Berlin wies mit einer Relation von 13,6 günstigere Werte auf als der Bundesdurchschnitt (15,0).

    Förderinfrastruktur (BM 2017: 3. Platz): Eine ausgebaute Förderinfrastruktur ist wichtig, um eine bessere soziale Teilhabe zu schaffen. 77,2 Prozent der Berliner Grundschüler lernten im Jahr 2015 an einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 34,4 Prozent). Berlin belegt damit den vierten Platz aller Bundesländer. Im Sekundarbereich I fiel der Anteil der Ganztagsschüler mit 61,9 Prozent ebenfalls deutlich höher aus als im bundesweiten Durchschnitt von 41,5 Prozent. Und auch im frühkindlichen Bereich standen sehr viele Ganztagsangebote zur Verfügung.

    Hochschule und MINT (BM 2017: 3. Platz): In Relation zur Zahl seiner Studienberechtigten hat Berlin sehr viele Studienanfänger. Da der Anteil der Ingenieurwissenschaftler an allen Hochschulabsolventen mit 20,8 Prozent leicht überdurchschnittlich ist (Bundesdurchschnitt: 20,5 Prozent), kommt Berlin auch gemessen an seinen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren auf viele Ingenieurabsolventen – die Ersatzrate beträgt 10,5 Prozent und ist damit bundesweit am höchsten (Bundesdurchschnitt: 7,6 Prozent).

    Potenziale in bildungspolitischen Handlungsfeldern in Berlin:

    Zeiteffizienz (BM 2017: 16. Platz): Deutlich unterdurchschnittlich schneidet Berlin beim Anteil vorzeitig abgebrochener Ausbildungsverträge an allen Ausbildungsverträgen ab. Mit 39,7 Prozent belegte die Bundeshauptstadt hier im Jahr 2015 den letzten Platz (Durchschnitt: 27,5 Prozent). Zudem hatten die Erstabsolventen im Jahr 2015 mit 27,6 Jahren das höchste Durchschnittsalter – das bundesweite Mittel lag bei 26,1 Jahren. Die Wiederholerquote in den Grundschulen fiel durchschnittlich aus, bei der Wiederholerquote in der Sekundarstufe I schlug Berlin sich jedoch deutlich besser als die anderen Bundesländer.

    Bildungsarmut (BM 2017: 16. Platz): In Berlin erreichte ein relativ hoher Anteil der Schüler bei den Schülervergleichsarbeiten des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) nicht die Mindeststandards. So schaffte im Jahr 2015 beispielsweise bei der IQB-Studie im Lesen ein relativ hoher Anteil der Neuntklässler nur die unterste Kompetenzstufe. Außerdem betrug die Schulabbrecherquote im Jahr 2015 9,6 Prozent und lag damit über dem Bundesdurchschnitt von 5,6 Prozent.

    Integration (BM 2017: 16. Platz): Bei den Tests zu den Bildungsstandards im Lesen wies Berlin 2015 einen relativ engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg auf. Auch bei der Integration von Ausländern bleibt viel zu tun: Von 3.708 ausländischen Schulabgängern im Jahr 2015 hatten 791 keinen Abschluss. Dies ergibt eine Schulabbrecherquote unter den ausländischen Jugendlichen von 21,3 Prozent. Diese liegt oberhalb des bundesdeutschen Durchschnitts von 11,8 Prozent. Nur Sachsen-Anhalt weist hier einen noch schlechteren Wert auf.

    Das vollständige Profil als PDF-Download

    Hier finden Sie alle Informationen über Berlin. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

    Das Profil von Berlin im Bildungsmonitor 2011 der INSM
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