Der Bildungsmonitor 2016 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Methodik des Bildungsmonitors 2016

Die Studie vergleicht die Bildungssysteme der 16 deutschen Bundesländer an Hand von 93 Indikatoren. Diese werden 12 bildungspolitischen Handlungsfeldern (mehr dazu im Glossar) zugeordnet. Mit einem linearen Standardisierungsverfahren werden die Variablen, die unterschiedliche Skalierungen aufweisen, in eine Punkteskala 0 bis 100 “übersetzt” und so vergleichbar gemacht. Die verwendeten Indikatoren des Bestandsrankings wurden unter anderem von den Statistischen Landesämtern der Bundesländer erhoben und stammen mehrheitlich aus den Jahren 2014 oder 2015, dem aktuellsten statistisch erhobenen Kalenderjahr, das derzeit vorliegt. Diese werden mit den Daten vorwiegend aus den Jahren 2011 oder 2012 verglichen (Dynamikranking).

Im Dynamikranking werden die Veränderungen bei einzelnen Indikatoren zwischen dem Bildungsmonitor 2016 und dem Bildungsmonitor 2013 dargestellt. Alle hier dokumentierten Veränderungswerte sind Punktwerte.

Das so genannte Bestands-Ranking vergleicht die Länder an Hand der absoluten Zahlen zum im aktuellen Bildungsmonitor betrachteten Zeitraum. Alle Werte werden hier in den entsprechenden Einheiten angegeben: Prozent, Euro, etc.

Zum Benchmarking

Der Bildungsmonitor hat das Ziel, auf Basis von 12 Handlungsfeldern die Bildungssysteme der 16 deutschen Bundesländer einem systematischen Benchmarking zu unterziehen. Da Bildung als ein kumulativer Prozess aufgefasst werden muss, werden die vier Bildungsbereiche: Elementar-, Primar-, Sekundar- und Tertiärbereich betrachtet.

Auf diese Weise wird zum einen die gesamte Zeitachse von der Vorschule bis zur Universität und beruflichen Weiterbildung berücksichtigt. Auf der anderen Seite erlaubt der der Studie zugrunde liegende Ansatz Rückschlüsse darauf, welche Stärken und Schwächen das jeweilige Bundesland – im Vergleich zu den anderen – in den einzelnen Handlungsfeldern aufweist. Muster sowie Stärken/Schwächen-Profile werden somit sichtbar.

Die Qualität, die Effizienz und die Effektivität eines Bildungssystems können mittels Indikatoren erfasst und evaluiert werden (Kurz, 2005, 427 ff.). Diese Zielsetzung wird im Bildungsmonitor 2016 umgesetzt, indem die humankapitaltheoretisch begründeten Bildungsziele als Handlungsfelder formuliert werden. Die konkrete Methodik bei der aktuellen Studie ist somit das indikatorengestützte Benchmarking.

Das Benchmarking dient einerseits dazu, unterschiedliche Ziele, Institutionen und Untersuchungsobjekte miteinander vergleichbar zu machen. Zu diesem Zweck werden die einzelnen Aspekte der Bildungssysteme der 16 deutschen Bundesländer mit Hilfe der insgesamt 93 Input- und Outputindikatoren operationalisiert und standardisiert. Zwischen den Input-/Prozessvariablen und dem Output wird kein monokausaler Zusammenhang vorausgesetzt. Vielmehr werden die Zusammenhänge als ein komplexes Zusammenspiel aller Faktoren betrachtet, das in seiner systemischen Gesamtheit gesehen werden muss (Kurz, 2005, 427 ff.; Klein/Hüchtermann, 2003, 93 ff.).

Das Benchmarking kann der Bildungspolitik Entscheidungshilfen geben und aufzeigen, in welchen Bereichen bildungspolitisches Handeln besonders dringend geboten ist. Es gibt Aufschluss über mögliche Ansatzpunkte für bildungspolitische Reformbemühungen, damit die bildungsökonomischen Ziele realisiert werden können (zum Nutzen von Bildungs-Benchmarking-Studien vergleiche OECD, 2006a, 19).

Die Methodik des Benchmarking als Bewertungssystem für Vergleiche von Bildungssystemen wird häufig hinterfragt, weil nicht messbare Tatbestände, die ebenfalls auf die Zielgröße einwirken, unberücksichtigt bleiben. Der Wert der Methodik des Benchmarkings wird dadurch aber nicht eingeschränkt. Basierend auf seinen Ergebnissen kann für jedes Land eine passgenaue Lösung zur Lösung der aufgezeigten Probleme entwickelt werden (Descy/ Tessaring, 2006, 157). In Abhängigkeit der Ausgangssituation können spezifische Ziele definiert werden. Ein Benchmarking kann zudem die Fortschritte beim Grad der Zielerreichung dokumentieren, wenn das Bewertungsverfahren einen zeitlichen Vergleich ermöglicht. Die überwiegende Menge der in den Handlungsfeldern verwendeten Kennziffern entspricht dem Indikatoren-Set der vorherigen Bildungsmonitor-Studien. Da die Auswahl von Bildungsindikatoren grundsätzlich von der eigenen Zielsetzung bestimmt wird (Meyer, 2004, 11) und sich in der vorliegenden Studie konzeptionell-methodische Weiterentwicklungen ergaben, wurde die Indikatorenliste leicht überarbeitet. Bei der Auswahl und Modifizierung der Indikatoren orientierte man sich nach folgenden Grundsätzen (vergleiche auch Anforderungen an Indikatoren-Auswahl bei Meyer, 2004, 24):
Die Indikatoren sollten einen Erklärungsbeitrag hinsichtlich der bildungsökonomischen Ziele und der Handlungsfelder leisten können, sie sind messbar und zur Lösung der formulierten Probleme im gewünschten Arbeitskontext relevant und für die Zielgruppen der Studie nachvollziehbar.
Die Auswahl der Kennziffern wurde durch die Verfügbarkeit statistischer Daten und die Messbarkeit der Tatbestände beschränkt. Die Bildungsberichterstattung in Deutschland bietet zwar in den letzten Jahren einen größeren Katalog vergleichbarer statistischer Daten, auf deren Basis Indikatoren entwickelt werden können, sie weist jedoch in bestimmten Bereichen immer noch Lücken auf. An die Grenzen der Messbarkeit stößt man vor allem bei den qualitativen Aspekten der Bildungsprozesse, wie beispielsweise der Qualität der Lehre. Die meisten Indikatoren beziehen sich auf das Datenjahr 2014 oder 2015. Ferner ist zu beachten, dass Indikatoren theoretisch abgeleitete Kenngrößen darstellen, die über einen festgelegten, nicht oder nur sehr schwer messbaren Tatbestand Auskunft geben sollen.

Im Bildungsmonitor 2016 gibt es im Vergleich zum Bildungsmonitor 2012 einige methodische Weiterentwicklungen: Zusammenlegung Akademisierung und MINT: Zum Zeitpunkt des ersten Bildungsmonitors gab es mit Blick auf die Fachkräftesicherung vor allem die Notwendigkeit, eine Unterakademisierung in Deutschland zu reduzieren. Bei der beruflichen Bildung stellte sich eher die Aufgabe, Ausbildungsplätze zu schaffen, damit die jungen Menschen versorgt sind. Entsprechend wurde im ersten Bildungsmonitor der Bereich der Hochschulen stärker gewichtet als die berufliche Bildung. Seit dem ersten Bildungsmonitor gibt es deutliche Veränderungen, die sich auch in der Statik des Bildungsmonitors abbilden sollten. So sind deutliche Fortschritte bei der Akademisierung erreicht worden – die Studienabsolventenquote ist von rund 17 Prozent im Jahr 2000 auf rund 31 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. Aus Sicht der Fachkräftesicherung sind die Engpässe bei der beruflichen und akademischen Bildung inzwischen gleichrangig (Erdmann/Seyda, 2012). In manchen Studien werden die Engpässe perspektivisch sogar eher bei der beruflichen Bildung erwartet (Helmrich et al., 2012). Aufgrund dieser Veränderungen werden künftig die bisher getrennten Handlungsfelder Akademisierung und MINT zum Handlungsfeld Hochschule/MINT zusammengeführt. Damit haben der Bereich Hochschule und der Bereich berufliche Bildung das gleiche Gewicht im Bildungsmonitor und bilden so die inzwischen gleich hohe Relevanz beider Bereiche für die Fachkräftesicherung in Deutschland ab.

Reduzierung der Anzahl an Indikatoren: Aufgrund fehlender aktueller Verfügbarkeit werden Indikatoren (zum Beispiel „Ersatzquote Meister/Techniker/Fachschulabsolventen“ und „Anteil technischer Fortbildungsprüfungen an allen erfolgreichen Fortbildungsprüfungen“) seit dem Bildungsmonitor 2013 nicht mehr berücksichtigt. Weitere Indikatoren wurden nicht mehr berücksichtigt, da gesetzliche Änderungen der letzten Jahre (Rechtsanspruch Betreuung unter 3 Jahre, Hochschulzugang ohne formale Studienberechtigung) die Bedeutung der Kennzahlen deutlich relativiert.

Austausch von Indikatoren: Die Ergebnisse der IGLU-Studie und die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen werden durch die Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs 2011 für die 4. Klasse und die weiteren IQB-Ländervergleiche für die 9. Jahrgangsstufe ersetzt. Dies liegt daran, dass die PISA-Indikatoren auf Bundesländerebene nicht mehr erhoben werden und diese durch die IQB-Vergleiche abgelöst werden.

Höheres Gewicht Qualität: Die implizite Gewichtung der Qualitätsaspekte wird seit dem Bildungsmonitor 2013 im Rahmen der bestehenden Handlungsfelder erhöht. Die nationalen Vergleichsstudien zur Schulqualität werden bezüglich des Gesamtergebnisses und für die einzelnen Handlungsfelder noch einmal deutlich stärker als bisher gewichtet. Bisher wurden die Schultestergebnisse in den Handlungsfeldern „Schulqualität“, „Bildungsarmut“ und „Integration“ berücksichtigt. Im Bildungsmonitor 2013 werden die Schultestergebnisse in einem weiteren Handlungsfeld verwendet, so dass die Qualität der Bildungsprozesse gegenüber der Quantität stärker als bisher das Ranking prägen. Die Indikatoren zu „Englischkompetenzen an Schulen“ werden im Handlungsfeld „Internationalisierung“ berücksichtigt und ergänzen dort Indikatoren zum Fremdsprachenunterricht an Grundschulen und Berufsschulen. Dies erhöht die Konsistenz und stärkt gleichzeitig das implizite Gewicht der Schulqualität.

Basisjahr des Rankings aktualisieren: Jeder Indikatorwert wird mittels eines linearen Standardisierungsverfahrens weiterhin in einen dimensionslosen Punktwert transformiert. Im Bildungsmonitor 2016 wird der Bezugspunkt aktualisiert. Im Monitor 2012 bezog sich die Normierung der Skala auf das Umstellungsjahr der Methodik im Bildungsmonitor 2013. Im aktuellen Bildungsmonitor bezieht sich die Normierung der Skala auf die letzten verfügbaren Daten (in der Regel das Jahr 2011). Das Dynamikranking zeigt die Veränderungen zum Vorjahr auf Basis der zuvor beschriebenen weiterentwickelten Methodik. Durch die methodische Überarbeitung sind die Ergebnisse der Bildungsmonitore ab dem Jahr 2013 nicht direkt vergleichbar mit den Ergebnissen der Bildungsmonitore vor 2013.