Der Bildungsmonitor 2011 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Hamburg Platz 14
Hamburg auf Rang 14 im Bildungsvergleich der Bundesländer
Geringe Fortschritte auf dem Weg zu mehr Wachstum und Bildungsgerechtigkeit +++ Stärken Integration und Akademisierung +++ Schwächen bei Schulqualität, Bildungsarmut, Forschungsorientierung und MINT
Berlin
. Hamburg belegt Rang 14 im Vergleich der Bildungssysteme der deutschen Bundesländer. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2011 hervor. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von 13 Handlungsfeldern und mehr als 100 Indikatoren, inwieweit das Bildungssystem eines Bundeslandes Fortschritte auf dem Weg zu mehr Wachstum und Bildungsgerechtigkeit erzielt.
Hamburg schneidet in den untersuchten Handlungsfeldern unterschiedlich ab. Stärken weist die Hansestadt bei den Handlungsfeldern Akademisierung (3. Platz) und Integration (2. Platz) auf. Verbesserungspotenzial besteht insbesondere in den Handlungsfeldern Schulqualität, Bildungsarmut, Forschungsorientierung und MINT.
Auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit sind in Hamburg geringe Fortschritte erzielt worden. Im Jahr 2000 standen pro Schüler weniger Ganztagsplätze und Lehrer an Grundschulen zur Verfügung als heute. Der Anteil der Schulabbrecher war im Jahr 2000 höher, ebenso der Anteil der Jugendlichen ohne Ausbildungsreife. Bei den Abschlussprüfungen der Berufsausbildung scheiterte in 2000 ein höherer Anteil an jungen Menschen als heute. Die Verbesserungen der Quoten führen bezogen auf heutige Schülerzahlen zu folgenden rechnerischen Effekten: ein Plus von 8.400 Ganztagsplätzen und 50 Lehrern an Grundschulen, zusätzlich 200 Jugendliche mit Ausbildungsreife und 700 Schüler mit einem Schulabschluss und zusätzlich 700 erfolgreiche Prüfungen in der dualen Ausbildung. Ein Kritikpunkt: Lediglich in Hamburg sank in den letzten Jahren der Anteil der Schüler, die an den beruflichen Schulen ihr Abitur erwarben.
Fortschritte im Bildungssystem haben in den letzten Jahren auch zu einer Stärkung der Wachstumskräfte im Land beigetragen. Seit dem Jahr 2000 haben über 6.300 Jungakademiker mehr die Hochschulen in Hamburg verlassen, als unter der damaligen Absolventenquote zu erwarten gewesen wäre. Die zusätzliche Ausbildungsleistung der Hochschulen geht mit einem jährlichen Wachstumsbeitrag von rund 83 Millionen Euro einher.
Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg bilden das Spitzentrio im Bildungsmonitor 2011. Dahinter folgen Bayern und Rheinland-Pfalz. Die übrigen 11 Bundesländer liegen eng beieinander. Gegenüber dem Bildungsmonitor 2010 haben sich Mecklenburg-Vorpommern, (+5,4 Punkte), Thüringen (+4,1), Berlin (+3,7), Rheinland-Pfalz (+3,2), NRW (+3,1) und Hessen (+3,0) besonders stark verbessert. Trotz aller Fortschritte bleibt die weitere Reduzierung von Bildungsarmut die zentrale Aufgabe für die Politik. Bildung entscheidet stärker denn je über Perspektiven in einer Gesellschaft und die Förderung jedes einzelnen Talents ist wichtig, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern.
Zu einzelnen bildungspolitischen Handlungsfeldern in Hamburg:
Integration (BM 2011: 2. Platz):
Bei PISA-2006 war in Hamburg der Zusammenhang zwischen Herkunft und Erfolg sehr gering – der zweibeste Wert in Deutschland. Bei der Überprüfung der Mindeststandards im Lesen im Jahr 2009 zeigte sich, dass sich die soziale Herkunft der Schüler in etwa so stark auswirkt wie im Bundesländerdurchschnitt. Ein wichtiger Erfolgsfaktor: im Jahr 2009 erwarben an allgemein bildenden Schulen 23,4 Prozent der Ausländer ihr Abitur - eine deutlich bessere Quote als im Bundesdurchschnitt (11,7 Prozent). Die Abiturientenquote unter Ausländern lag relativ nah an der Studienberechtigtenquote insgesamt (zweitbester Wert).
Akademisierung (BM 2011: 3. Platz):
Hamburg hatte im Jahr 2009 die zweithöchste Studienberechtigtenquote in Deutschland – die Quote betrug an allgemeinbildenden Schulen 40,4 Prozent (Bundesdurchschnitt: 29,9 Prozent) und an beruflichen Schulen 13,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 17,6 Prozent). Darüber hinaus zieht Hamburg nach Bremen die meisten Studienberechtigten aus anderen Bundesländern an und trägt damit in hohem Umfang zur Akademisierung bei. Gemessen am Anteil der akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter lag die Zahl der Hochschulabsolventen im Jahr 2009 jedoch mit 3,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (Ersatzquote: 4,2 Prozent).
Bildungsarmut (BM 2011: 14. Platz):
In Hamburg hatten 7,8 Prozent der Schulabsolventen des Jahres 2009 keinen Schulabschluss. Die Abbrecherquote war nur in fünf Bundesländern höher. Bei der Überprüfung der Bildungsstandards im Lesen im Jahr 2009 verfehlten 11,9 Prozent der Schüler in Hamburg die KMK-Mindeststandards. Nur in Bremen und Berlin (jeweils 14,2 Prozent) war der Anteil an Risikoschülern noch höher.
Forschungsorientierung (BM 2011: 15. Platz):
Im Jahr 2009 waren der Anteil der abgeschlossenen Habilitationsverfahren pro 100 Professoren mit 3,7 (Bundesdurchschnitt: 4,6) und der Umfang der von einem Professor durchschnittlich eingeworbenen Drittmittel (ohne medizinische Einrichtungen) mit 83.500 Euro (Bundesdurchschnitt: 99.800 Euro) unterdurchschnittlich groß. Damit besteht im Bundesländervergleich Handlungsbedarf bei der Ausbildung des Forschernachwuchses und bei der Einwerbung von Drittmitteln. Auch gemessen an den sonstigen Forschungs- aufwendungen des Bundeslandes haben die Hochschulen eine eher geringe Bedeutung.
MINT (BM 2011: 16 Platz):
Der Anteil der Absolventen in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften an allen Absolventen betrug im Jahr 2009 nur 10,7 Prozent - der niedrigste Wert aller Bundesländer. Verglichen mit dem eigenen Bedarf an Ingenieuren in der Region Hamburg ist die Anzahl der Hochschulabsolventen in den technischen Studiengängen ebenfalls sehr niedrig. Der Anteil der MINT-Wissenschaftler am Hochschulpersonal war im Jahr 2009 mit 51,9 Prozent der viertkleinste in Deutschland, die Promotionsquote in Ingenieurwissenschaften sogar die niedrigste aller Bundesländer.
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