Der Bildungsmonitor 2009 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Bayern Platz 4
Bayern auf Rang 4 im Bildungsvergleich der Bundesländer
Fortschritte auf dem Weg zu mehr Wachstum und Bildungsgerechtigkeit +++ Bayern ist Spitze bei der Schulqualität und beim Zugang zu beruflicher Bildung +++ Großer Verbesserungsbedarf bei Ganztagsinfrastruktur, Akademisierung und MINT
Berlin
. Bayern belegt Rang 4 im Vergleich der Bildungssysteme der deutschen Bundesländer. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2011 hervor. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von 13 Handlungsfeldern und mehr als 100 Indikatoren, inwieweit das Bildungssystem eines Bundeslandes Fortschritte auf dem Weg zu mehr Wachstum und Bildungsgerechtigkeit erzielt.
Bayern schneidet in den meisten der 13 untersuchten Handlungsfelder unterschiedlich ab. Stärken weist das Bundesland mit Platz 1 bei der Schulqualität und der Inputeffizienz und Platz 3 bei der beruflichen Bildung auf. Verbesserungsbedarf besteht insbesondere bei der Integration von Migranten, dem Ausbau der Förderinfrastruktur und einer bezogen auf den Bedarf der Wirtschaft zu geringen Ausbildung von MINT-Akademikern.
Auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit sind Fortschritte in Bayern erzielt worden. Im Jahr 2000 standen pro Schüler weniger Ganztagsplätze und Lehrer an Grundschulen zur Verfügung als heute. Der Anteil der Schulabbrecher war im Jahr 2000 höher, ebenso der Anteil der Jugendlichen ohne Ausbildungsreife. Bei den Abschlussprüfungen der Berufsausbildung scheiterte in 2000 ein höherer Anteil an jungen Menschen als heute und ein geringerer Anteil erreichte an beruflichen Schulen eine Zugangsberechtigung zu den Hochschulen. Die Verbesserungen der Quoten führen bezogen auf heutige Schülerzahlen zu folgenden rechnerischen Effekten: ein Plus von 21.500 Ganztagsplätzen und 2.900 Lehrern an Grundschulen, zusätzlich 1.200 Jugendliche mit Ausbildungsreife und 4.350 Schüler mit einem Schulabschluss und zusätzlich 2.900 erfolgreiche Prüfungen in der dualen Ausbildung und 7.000 Abiturienten an beruflichen Schulen.
Fortschritte im Bildungssystem haben in den letzten Jahren auch zu einer Stärkung der Wachstumskräfte im Land beigetragen. Seit dem Jahr 2000 haben rund 57.500 Jungakademiker mehr die bayerischen Hochschulen verlassen, als unter der damaligen Absolventenquote zu erwarten gewesen wäre. Die zusätzliche Ausbildungsleistung der Hochschulen geht mit einem jährlichen Wachstumsbeitrag von rund 930 Millionen Euro einher. Insgesamt bleibt das Angebot – insbesondere in den MINT-Fächern – aber weiterhin zu niedrig, um den Bedarf der erfolgreichen Hochtechnologiebranchen zu decken.
Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg bilden das Spitzentrio im Bildungsmonitor 2011. Dahinter folgen Bayern und Rheinland-Pfalz. Die übrigen 11 Bundesländer liegen eng beieinander. Gegenüber dem Bildungsmonitor 2010 haben sich Mecklenburg-Vorpommern (+5,4 Punkte), Thüringen (+4,1), Berlin (+3,7), Rheinland-Pfalz (+3,2), NRW (+3,1) und Hessen (+3,0) besonders stark verbessert. Trotz aller Fortschritte bleibt die weitere Reduzierung von Bildungsarmut die zentrale Aufgabe für die Politik. Bildung entscheidet stärker denn je über Perspektiven in einer Gesellschaft und die Förderung jedes einzelnen Talents ist wichtig, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern.
Zu einzelnen bildungspolitischen Handlungsfeldern in Bayern:
Inputeffizienz (BM 2011: erster Platz); Schulqualität (BM 2011: erster Platz):
Die Mittel für die Schulen wurden in den Jahren 2008 und 2009 relativ effizient eingesetzt. Die Investitionsquoten in Bayern sind hoch. Die Lehrerschaft hatte im Jahr 2009 im Bundesländervergleich die zweitausgewogenste Altersstruktur an allgemeinbildenden und die ausgewogenste Altersstruktur an beruflichen Schulen – dies erleichtert den zukünftigen Personalersatz bei Pensionierungswellen. Beim Handlungsfeld Schulqualität gibt es gegenüber dem Bildungsmonitor 2010 keine neuen Erkenntnisse. Bayern kann bei Schülervergleichstests mit der Weltspitze mithalten. Im Gesamtbereich Schulqualität belegt Bayern den ersten Platz aller Bundesländer, nicht zuletzt dank der sehr guten Ergebnisse beim letzten Vergleichstest der KMK aus dem Jahr 2009.
Berufliche Bildung (BM 2011: dritter Platz):
Der Übergang von der Schule in den Beruf gelingt in Bayern sehr gut. Gemessen an der Größe der Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 21 Jahren wurden am viertmeisten Ausbildungsstellen im Jahr 2009 angeboten. Die Erfolgsquote der Berufsschüler in der Dualen Ausbildung war mit 92,3 Prozent am drittbesten (Bundesdurchschnitt: 90,2 Prozent). Bei der beruflichen Fortbildung lagen die Bayern bundesweit vorn.
Zeiteffizienz (BM 2011: sechster Platz):
Beim Ziel der Zeiteffizienz ist Bayern Durchschnitt. Viele Schüler in der Sekundarstufe 1 wiederholten im Jahr 2009 eine Klasse (BY: 5,1 Prozent; Bundesdurchschnitt: 3,1 Prozent), in der Grundschule drehten nur 0,4 Prozent eine Ehrenrunde (Schnitt: 0,5 Prozent). Der Anteil vorzeitig abgebrochener Ausbildungsplätze an allen Ausbildungsverträgen war mit 21,4 Prozent bundesweit der zweitbeste Wert hinter Baden-Württemberg (Durchschnitt: 25,2 Prozent). Bei der Umstellung der Studiengänge gehörte Bayern im Jahr 2009 mit 66 Prozent zu den Nachzüglern (Schnitt: 72 Prozent umgestellte Studiengänge).
Akademisierung (BM 2011: 14. Platz) und MINT (BM 2011: 15. Platz):
22,7 Prozent eines Altersjahrgangs erwarben im Jahr 2009 ihre Studienberechtigung an allgemeinbildenden Schulen – an den beruflichen Schulen erreichten 15,1 Prozent das Abitur. Damit lag Bayern sowohl bei den allgemeinbildenden Schulen als auch bei den beruflichen Schulen unter dem Bundesdurchschnitt (29,9 bzw. 17,6 Prozent). Gemessen an der akademischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter gab es im Jahr 2009 lediglich in Brandenburg und Schleswig-Holstein weniger Absolventen von Hochschulen (Akademikerersatzquote: BY 3,7; Schnitt: 4,2). Ein unterdurchschnittlicher MINT-Anteil führt dazu, dass vor allem der Ingenieurbedarf der bayerischen Wirtschaft in zu geringem Maß durch die Ausbildungsleistung bayerischer Hochschulen gedeckt werden kann. Auf 100 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieure kamen in Bayern lediglich 4,4 Ingenieurabsolventen – der geringste Wert in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 6,8).
Förderinfrastruktur (BM 2011: letzter Platz):
Bayern hatte 2009 mit 4,9 Prozent die drittniedrigste Quote von Ganztagsschülern im Grundschulbereich (Bundesdurchschnitt: 21,5 Prozent). Auch in den Kindertagesstätten standen relativ wenige Ganztagsangebote zur Verfügung, insbesondere für die unter 3-jährigen Kinder. Auch der Anteil des hochqualifizierten Personals am Gesamtpersonal in KITAs war geringer als im Bundesdurchschnitt.
Das vollständige Profil als PDF-Download
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