Der Bildungsmonitor 2008 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Niedersachsen
Niedersachsen legt um 5,97 Punkte zu
Weniger Abbrecher in der dualen Ausbildung und weniger spät eingeschulte Kinder +++ starke Priorisierung von Bildung bei den öffentlichen Ausgaben +++ Reduzierung der Schulabgänger ohne Abschluss
Niedersachsen
verbessert sich zwischen 2007 und 2008 um
5,97 Punkte
und belegt damit den
Dynamik-Platz 1
in der wissenschaftlichen Bildungsstudie "Bildungsmonitor 2008", die vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) 2008 zum fünften Mal erstellt wurde. Diese umfassende Analyse des föderalen Bildungssystems in Deutschland bewertet anhand von 13 Handlungsfeldern und mehr als 100 Indikatoren (Datenstand 2006), inwieweit das Bildungssystem eines Bundeslandes einen Beitrag zu mehr Wachstum leistet.
Niedersachsen konnte gegenüber dem Bildungsmonitor 2007 5,97 Punkte hinzugewinnen, so viel wie kein anderes Bundesland. Die größten Zuwächse wurden bei den Handlungsfeldern Zeiteffizienz (+29,62 Punkte) und bei der Bekämpfung der Bildungsarmut (+11,80 Punkte) erreicht. Großes Plus bleiben die Handlungsfelder Internationalisierung und die Priorität der Bildungsausgaben in den Landeshaushalten. Das größte Verbesserungspotential besteht beim Handlungsfeld Integration.
Niedersachsen führt auf Rang 5 im Bildungsmonitor 2008 ein breit gefächertes Mittelfeld an, das bis NRW auf Rang 15 reicht. Zum ersten Mal schneidet Niedersachsen leicht besser ab als der Bundesdurchschnitt. Die insgesamt bisher erzielten bundesweiten Fortschritte im Bildungswesen dokumentiert NRW auf Rang 15. Das Bundesland erreicht mittlerweile eine Punktzahl, die fast dem Siegerwert aus dem Bildungsmonitor 2004 entspricht. Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern bilden erneut das Führungsquartett. Mecklenburg-Vorpommern rangiert bereits mit deutlichem Rückstand auf Platz 16, obwohl es gegenüber 2004 ebenfalls erhebliche Zuwächse verzeichnen konnte.
Zu einzelnen Handlungsfeldern in Niedersachsen
Zeiteffizienz:
Im Jahr 2006 waren bereits 66 Prozent der Studienanfänger in Bachelor-Studiengängen eingeschrieben – der zweithöchste Wert in Deutschland nach Bremen. Im Bundesdurchschnitt waren es nur 42 Prozent. Große Fortschritte gab es auch bei der Entwicklung der Abbrecherzahlen in der dualen Ausbildung. Wurden im Jahr 2002 noch rund 15.600 Ausbildungsverträge aufgelöst, war die Zahl 2006 auf rund 10.900 gesunken. Die Relation zur Zahl an Neuverträgen sank damit von 29 auf unter 20 Prozent. Fortschritte im selben Zeitraum gab es ebenso beim Anteil verspätet eingeschulter Kinder: 5,8 Prozent im Vergleich zu 7,2 Prozent im Vorjahr. Insgesamt machte Niedersachsen im Ländervergleich beim Handlungsfeld Zeiteffizienz den größten Sprung nach vorn.
Internationalisierung:
Niedersachsen konnte bei der Internationalisierung im Bildungssystem große Fortschritte erzielen. Gegenüber dem Zeitraum 1998-2002 stieg der Anteil der Bildungsausländer an allen Studierenden von 7,3 Prozent auf 9,6 Prozent im Jahr 2006 und erreichte damit fast den Bundesdurchschnitt von 9,7 Prozent. Aber auch in anderen Bereichen der Hochschulen ist die Internationalisierung weit vorangeschritten: Der Anteil der Gastwissenschaftler an allen wissenschaftlichen Mitarbeitern gehört zu den höchsten aller Bundesländer. Die Zahl der internationalen Hochschulkooperationen pro Hochschule ist sogar die höchste in Deutschland. Das bedeutet die drittgrößte Verbesserung aller Länder im Handlungsfeld Internationalisierung.
Priorität der Bildungsausgaben:
Mit knapp 3.900 Euro hatte Niedersachsen 2005 die drittniedrigsten unmittelbaren öffentlichen Ausgaben pro Einwohner. Vom Sparen ausgenommen ist allerdings die Bildung. Hier sind die ausgeschütteten Gelder der öffentlichen Kassen je Teilnehmer am Bildungssystem vergleichsweise hoch. Mit jährlich über 10.200 Euro (ohne medizinische Einrichtungen) pro Studierenden stand 2005 bei den Hochschulausgaben pro Kopf lediglich das Saarland besser da. In den schulischen Bereichen liegen die Ausgaben zumeist nur leicht unter dem Bundesdurchschnitt, so dass relativ zu den öffentlichen Gesamtausgaben pro Kopf die Bildungsausgaben in allen Bereichen überdurchschnittlich hoch sind.
Bildungsarmut:
Niedersachsen konnte sich bei den Schulabgängern ohne Abschluss deutlich verbessern. Die Zahl ist kontinuierlich gesunken, auf 7.749 im Jahr 2006. Der Anteil der Abbrecher an allen Absolventen betrug damit 8,5 Prozent (9. Platz). Im Jahr 2005 lag dieser Anteil noch bei 9,1 Prozent, im Zeitraum 1998 bis 2002 sogar bei 9,7 Prozent.
Integration:
Von 5.866 ausländischen Schulabgängern im Jahr 2006 hatten 1.462 keinen Abschluss. Die Abbrecherquote unter ausländischen Jugendlichen beträgt damit 24,9 Prozent (schlechtester Wert). Zwar weist der aktuelle Wert verglichen zum Zeitraum 1998 bis 2002 eine leichte Verbesserung auf. Damals betrug die Quote noch 26,5 Prozent. Allerdings bleibt der Handlungsdruck bestehen.
Hintergrund der Studie
In die Studie Bildungsmonitor 2008 werden 102 Indikatoren einbezogen – darunter zum Beispiel Kennzahlen zur Ganztagsbetreuung, PISA-Ergebnisse, relative Abschlussquoten von Ausländern, Schulabbrecher, Studienberechtigtenquoten, Ingenieurabsolventen (siehe Anhang). Die zu Grunde liegenden Daten beziehen sich zumeist auf das Jahr 2006: Zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine aktuelleren statistischen Daten in Deutschland vor. Neben einer Bestandsaufnahme zur Leistungsfähigkeit des Bildungssystems werden die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2008 auch mit den Vorjahren verglichen. So gibt die Studie auch darüber Auskunft, welches Bundesland die größten Verbesserungen in seinem Bildungssystem erreicht hat.
Das vollständige Profil als PDF-Download
Hier finden Sie alle Informationen über Niedersachsen. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.

