Der Bildungsmonitor 2008 - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Hamburg Platz 7
Gute Integrationserfolge – große MINT-Schwäche
Hamburg
belegt mit
60,34 Punkten Platz 7
in der wissenschaftlichen Bildungsstudie “Bildungsmonitor 2008”, die vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) 2008 zum fünften Mal erstellt wurde. Diese umfassende Analyse des föderalen Bildungssystems in Deutschland bewertet anhand von 13 Handlungsfeldern und mehr als 100 Indikatoren (Datenstand 2006), inwieweit das Bildungssystem eines Bundeslandes einen Beitrag zu mehr Wachstum leistet.
Hamburg ist es gelungen, sich um 3,99 Punkte gegenüber dem Vorjahr zu verbessern. Besonders deutlich waren die Sprünge in den Handlungsfeldern Zeiteffizienz (+20,22) und Betreuungsbedingungen (+14,00). Dennoch weist der Stadtstaat im Bundesländervergleich ein ambivalentes Bild auf. Zwar liegt Hamburg bei der Akademisierung und der Integration Jugendlicher aus einkommensschwachen oder Migrantenfamilien vorn. In Bezug auf den effizienten Umgang mit der Bildungszeit und die Bekämpfung der Bildungsarmut jedoch besteht weiter Handlungsbedarf. Der größte Problembereich ist die Ausbildungsleistung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), die im Vergleich zum Bedarf der starken heimischen Wirtschaft zu gering ist.
Hamburg gehört im Bildungsmonitor 2008 zu einem breit gefächerten Mittelfeld, das von Niedersachsen auf Rang 5 bis NRW auf Rang 15 reicht. Niedersachsen schneidet auf Rang 5 leicht besser ab als der Bundesdurchschnitt. Die insgesamt bisher erzielten bundesweiten Fortschritte im Bildungswesen dokumentiert NRW auf Rang 15. Das Bundesland erreicht mittlerweile eine Punktzahl, die fast dem Siegerwert aus dem Bildungsmonitor 2004 entspricht. Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern bilden erneut das Führungsquartett, während Mecklenburg-Vorpommern bereits mit deutlichem Abstand auf Platz 16 rangiert, obwohl es gegenüber 2004 ebenfalls erhebliche Zuwächse verzeichnen konnte.
Zu einzelnen Handlungsfeldern in Hamburg
Integration (2. Platz):
Bei der Angleichung der Bildungschancen zwischen einheimischen und Kindern aus eingewanderten Familien liegt Hamburg vorn. Nur Brandenburg erzielt in diesem Bereich im Bildungsmonitor 2008 eine bessere Bewertung. Die Studienberechtigtenquote ausländischer Kinder in allgemein bildenden Schulen war 2006 mit 16,3 Prozent die höchste in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 9,2). Auch die Abhängigkeit der bei PISA 2003 (neuere Ergebnisse liegen nicht vor) gemessenen Schülerkompetenzen vom sozioökonomischen Hintergrund des Elternhauses ist in Hamburg weniger stark ausgeprägt als in vielen anderen Bundesländern.
Akademisierung (3. Platz):
Die allgemeinbildenden Schulen sind für viele Jugendliche das Sprungbrett an die Universitäten: 33 Prozent der Schulabgänger erwarben im Jahr 2006 das Abitur – der dritthöchste Wert in Deutschland. Der Stadtstaat ist aber auch für Studierende aus ganz Deutschland sehr attraktiv: Auf drei Abiturienten, die Hamburg für ein Studium verließen, zog es 2006 fünf Nicht-Hamburger in die Hansestadt – der höchste relative Zustrom aller Länder. Der Nachschub an Hochschulabsolventen war 2006 mit 3,54 Absolventen pro 100 Akademiker im erwerbsfähigen Alter der zweithöchste in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 3,2).
Internationalisierung (7. Platz):
Die beruflichen Schulen in Hamburg sind Vorreiter bei der Internationalisierung. Rechnerisch hatten 2006 rund 93 Prozent der Berufsschüler Fremdsprachenunterricht. Im Bundesdurchschnitt liegt die Quote bei nur 29,4 Prozent. An den Hochschulen schneidet Hamburg bei der Internationalisierung hingegen schlechter ab – der Anteil der Studierenden aus dem Ausland ist mit 8,9 Prozent (Bundesdurchschnitt: 9,7 Prozent) für eine Weltstadt sehr niedrig. Zudem weisen die Hochschulen eine vergleichsweise geringe Zahl an internationalen Kooperationen auf. Niedrig ist auch der Anteil ausländischer Gastwissenschaftler.
MINT (16. Platz):
2006 haben nur 10,4 Prozent der Hochschulabsolventen in Hamburg Mathematik, Informatik oder Naturwissenschaften (MIN) studiert – der mit Abstand niedrigste Wert in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 15,4 Prozent). Auch bei Ingenieurwissenschaften (T) ist die Absolventenquote mit nur 13,7 Prozent unterdurchschnittlich (Bundesdurchschnitt: 16,1 Prozent). Beim wissenschaftlichen Nachwuchs ist die Lage nicht besser: Nur zwei von 100 Promotionen wurden in Ingenieurwissenschaften absolviert (Bundesdurchschnitt: 9 von 100). Das wird auch beim Ingenieurmangel in Hamburg deutlich. Obwohl hier die Zahl an sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieuren seit 2000 kontinuierlich steigt, geht die Zahl der absolvierenden Ingenieure deutlich zurück. Auf 100 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ingenieure kamen im Jahr 2006 rechnerisch nur 4,4 Absolventen in diesen Fächern. In Berlin und Sachsen waren dies mit 8,8 Absolventen doppelt so viele, in Thüringen sogar 9,5 (Bundesdurchschnitt: 5,5).
Hintergrund der Studie
In die Studie Bildungsmonitor 2008 werden 102 Indikatoren einbezogen – darunter zum Beispiel Kennzahlen zur Ganztagsbetreuung, PISA-Ergebnisse, relative Abschlussquoten von Ausländern, Schulabbrecher, Studienberechtigtenquoten, Ingenieurabsolventen (siehe Anhang). Die zu Grunde liegenden Daten beziehen sich zumeist auf das Jahr 2006: Zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine aktuelleren statistischen Daten in Deutschland vor. Neben einer Bestandsaufnahme zur Leistungsfähigkeit des Bildungssystems werden die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2008 auch mit den Vorjahren verglichen. So gibt die Studie auch darüber Auskunft, welches Bundesland die größten Verbesserungen in seinem Bildungssystem erreicht hat.
Das vollständige Profil als PDF-Download
Hier finden Sie alle Informationen über Hamburg. Laden Sie das komplette Profil und eine Tabelle mit allen Indikatoren und Vergleichswerten herunter.


